Was ist ein gutes Photo?

Ganz grob: das, das einem gefällt.

Nun, ein etwas ketzerischer Satz… Kunst kommt von Können, aber nicht alles, was man kann, ist Kunst.

Es gibt durchaus objektive Kriterien, die man an ein künstlerisches Handwerk anlegen kann. Und die größte Kunst ist es, mit den Regeln zu brechen und dennoch ein harmonisches Bild zu erreichen.

Objektive Kriterien können sein:
– Einhaltung der ⅔-Regel (Goldener Schnitt)
– Harmonie durch Gleichheit oder Gegensatz
– gute Bidlschärfe
– korrekter Bildaufbau
– Erzählen einer Geschichte
– keine Bildfehler (handwerklich oder technisch)
– usw.

Beginnt man mit den technischen Vorraussetzungen, stellt sich zuerst die Frage: Wofür soll das Bild sein? Möchte ich eine Modeaufnahme machen, einen Schnappschuß erreichen, die Natur zu einem bestimmt Zeitpunkt ablichten oder einfach Stilleben festhalten?
Ich war schon in einigen Ausstellungen (schult auch das Auge) und ich bin nie vor einem Bild gestanden und habe Dinge gesagt wie: „Also das Framing sitzt hier überhaupt nicht… Schau mal die Vignettierung in den Ecken und die Unschärfe in den Randbereichen…“
Meistens kamen mir Dinge in den Sinn wie: „Was für ein geiles Bild!!“ oder „Nä. Gefällt mir null.“
Das können die fabelhaftesten, technisch perfekten Aufnahmen der größten Photographen aller Zeiten sein… wenn sie mir nicht gefallen, dann ist das eben so. Sind sie deswegen schlecht? Objektiv betrachtet nicht. Subjektiv betrachtet für mich dann schon.

Und so gibt es zB bei Steifzügen durch Flickr sehr oft Photos, die von absoluten Anfängern gemacht wurden, bei denen vielleicht der Fokus nicht sitzt, die Belichtung humpelt, die Schärfe abfällt und wasweißich… aber manchmal gefällt mir das Photo trotzdem, weil es in der Gesamtheit irgendwas hat…

Natürlich kann man mit viel Wissen und Können eine Aufnahme steuern und erreichen, daß sie höchstwahrscheinlich den meisten gefällt. Das ist ja auch irgendwo das Ziel eines Photographen. Man macht die Bilder nie nur für sich, denn der größte Antrieb eines jeden Menschen ist die Anerkennung durch andere.

Wenn ich auf mich selbst sehe und auf meine Photos der letzten 6 Jahre, dann habe ich durchaus das Gefühl, daß sie langsam aber stetig besser werden, und zwar auch mit zunehmender Kenntnis der Materie und des eigenen Equipments.

Das schöne an der Digitalphotographie ist, daß man Abertausende von Bildern machen kann, ohne daß es etwas kostet. Man stelle sich vor, wir müßten noch mit Film arbeiten…?! Ein teurer Spaß. Aber damals mußte man sich natürlich gerade wegen dieser teuren Angelegenheit im Vorfeld viel mehr Gedanken darüber machen, wie man seine Kamera bedient, um möglichst wenig Ausschuß zu generieren.

Und so greife ich am Ende den ketzerischen Satz vom Anfang auf, um ihn durch einen anderen zu ergänzen:
Nicht alles was gefällt, muß deswegen gut oder schön sein.

Viele meiner Bilder aus den Anfängen fand ich damals ganz wunderbar, heute finde ich sie teilweise einfach nur schrecklich.
Wäre auch schlimm, wenn man etwas jahrelang tut und keine Verbesserung feststellt 😉

In diesem Sinne: raus mit uns, Bilder machen!!

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