Kleinbild-äquivalente Brennweiten bei 50mm

In diesem kurzen Beitrag möchte ich aufzeigen, welche Brennweiten bei welchen Sensorgrößen benutzt werden müssen, um die kleinbildäquivalente Brennweite von 50mm zu erreichen (Standardbrennweite bzw. ungefähres Sichtfeld des menschlichen Auges.

Das sogenannte Kleinbildformat ist aus dem 35mm-Film entstanden. Sowohl in der Photographie, als auch im Film/Kino hat sich dieses Format über die Jahre zum meistverwendeten und damit zum Standardformat entwickelt.
Aus diesem Grund werden heute im Grunde sämtliche anderen Formate mit diesem verglichen.

Das Kleinbild-/Filmformat lebt heute in den sog. Vollformatsensoren weiter. Kleinere oder größere Sensoren werden dann mit dem sog. „Crop-Factor“ angegeben, also einem Beschnittfaktor in Relation zum Vollformat.

APS-Sensoren sind bspw. kleiner als Vollformatsensoren; Mittelformatsensoren sind hingegen größer.

Ein 50mm-Objektiv bildet also an einem kleineren Sensor einen engeren Bildausschnitt ab. Die Aufnahme wirkt dadurch im Ergebnis größer bzw. „gezoomt“.
Nimmt man den gängigen Vergrößerungsfaktor von APS-C als Basis (Crop-Faktor x1,5), dann ergibt sich aus einer 50mm Festbrennweite, die für Vollformatkameras konzipiert wurde rein rechnerisch eine 75mm Brennweite. Es werden also die Ränder vom Sensor abgeschnitten.

Umgekehrt wäre es, schraubt man eine Kleinbildlinse an eine Mittelformatkamera. Dann beträgt der Umrechnungsfaktor (gerundet) 0,6. Also wird aus den 50mm am Mittelformat ein 30mm-Objektiv, wobei aber nur in der Bildmitte abgebildet wird und am Rand schwarze Ränder zu sehen sind.

Der Massenmarkt wird heute von vielen Sensorgrößen unterhalb des Vollformats dominiert, weil die Sensoren kleiner und damit günstiger in der Herstellung sind. Dennoch muß man noch immer umrechnen, will man Gewißheit haben, ob man z. B. nun tatsächlich den Standardblickwinkel hat.

Zu allem Überfluß gibt es dann auch noch zwei verschiedene APS-C-Größen, denn Canon schert aus und hat seine Sensoren in diesem Format noch kleiner gemacht mit einem Cropfaktor von 1,6.

Unterhalb von APS-C liegt der Micro Four Thirds-Standard oder kurz MFT, der sich des Bildverhältnisses 4:3 bedient (wie alte Röhrenfernseher). Ich persönlich empfinde dieses Bildformat als relativ unharmonisch. Das Vollformat hat ein Seitenverhältnis von 5:3. Am angenehmsten wird oft 16:10 zu empfunden, das – o Wunder – dem Goldenen Schnitt entspricht.
MFT hat einen Crop-Faktor von 2. Ein 50mm-Vollformatobjektiv funktioniert an einer solchen Kamera (bspw. einer OM-D von Olympus) also wie ein 100mm Teleobjektiv.
Möchte man hier ein dem 50er entsprechendes Objektiv einsetzen, muß man zu einer Linse mit 25mm greifen, eine Brennweite, die am Vollformat schon stark weitwinklig wäre.
Bei APS-C muß man 33,3mm wählen – eine solche Brennweite gibt es aber natürlich nicht. Meistens sind es 30mm oder 35mm.

Heutzutage muß man also ziemlich aufpassen beim Objektivkauf und sich mit den unterschiedlichen Bezeichnungen vertraut machen.
Bei Olympus und Fujifilm gibt es bislang fast nur MFT- oder APS-C-Kameras, da kann man bei den Objektiven beinahe ohne nachzudenken zugreifen und muß nur noch umrechnen.
Bei Kameraherstellern, die aber mehrere Formate im Angebot haben, ist das bisweilen schon verwirrend, erst recht, wenn dazu noch unterschiedliche Bajonette kommen (z. B. Sony, Nikon und Canon).
Vollformatlinsen passen idR an die kleineren Sensoren, aber nicht umgekehrt (z. B. Canon EF und EF-S).
Bei Sony gibt es dann noch zwei Bajonette und jeweils zwei Sensorgrößen. Viel Raum für Fehlkäufe (A-Bajonett, E-Bajonett, FE-Linsen, DT-Objektive…)

Die derzeitigen iPhones entsprechen übrigens einer Brennweite von kleinbildäquivalenten 35mm bei einem Crop-Faktor von 7,6 oder sowas. Es handelt sich also um einen geradzu winzigen Chip.

Zu beachten ist: bereits APS-S-Sensoren gelten heute als „groß“, sind aber nur halb so groß wie Vollformatsensoren. Das bedeutet, sie haben oft ein schlechteres Rauschverhalten, einen geringeren Dynamikumfang, haben geringeres Freistellungspotenzial usw.
Dagegen sind Vollformatsensoren nur halb so groß wie Mittelformatsensoren. Letztere sind aber in der Tat schweineteuer und zwar nach wie vor ein Standard, aber bei weitem nicht so verbreitet, wie die anderen.
MFT ist wiederum deutlich kleiner als APS-C… usw…
Jede Kamera und jeder Formfaktor hat seine Einsatzgebiete, sowie Vor- und Nachteile.

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