Woran erkennt man die „guten“ Objektive?

Beinahe jeder Kamerahersteller produziert auch seine eigenen Objektivserien. Im Portfolio der Anbieter gibt es für eigentlich jeden Anweder und jede Preisklasse eine entsprechende Kategorie.

Nachfolgend sind einige namhafte Hersteller aufgelistet mitsamt der Kennung ihrer „guten“ Objektive.

Mit „gut“ ist gemeint, daß einige Produzenten eine bestimmte Linie haben, die sich qualitativ deutlich vom Rest des Angebotes unterscheidet. Ein erstklassiges Objektiv macht aber von alleine noch kein gutes Photo 😉

Diese Unterscheidung in verschiedene Produktlinien kennt man fast nur von den Kameraherstellern selbst. Drittanbieter bedienen sich idR keiner ähnlichen Nomenklatur, von Sigma einmal abgesehen.

Interessant ist auch, daß – von Ausnahmen abgesehen – man die „guten“ Objektive eigentlich nur im Bereich des Kleinbildes findet; für bspw. APS-C werden oft keine speziellen hochwertigen Linsen angefertigt; Ausnahme: Kamerahersteller, die ohnehin keine Vollformatkameras herstellen (bpsw. Fujifilm und Olympus).

Die meisten Hersteller kennzeichnen ihre besonderen Produkte mit farblichen Ringen, besonderen Buchstaben, einer besonderen Farbe (idR weiß) oder ähnlichem.

1) Sony
Bei Sony gibt es sage und schreibe 4 Kategorien von Objektiven.
– die „normalen“
– die G-Objektive
– Objektive mit ZEISS-Label
– ZEISS-Objektive

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Die „normalen“ sind meist relativ günstige Optiken für den breiten Anwenderbereich. Die Objektive sind deshalb keineswegs schlecht, sie sind aber rdR nicht aus Metall gefertigt, sondern aus Plastik, haben weniger Linsen in weniger Gruppen im Tubus angeordnet, sind vielleicht auch weniger lichtstark etc. pp. – kleine Einschränkungen eben, die einen niedrigeren Preis ermöglichen. Die normalen Objektive werden von Sony entworfen und produziert.

Die G-Objektive sind ebenfalls von Sony entworfen und hergestellt – sie sind Nachfolger der G-Serie von Minolta. Objektive mit dem G-Label stehen für hochwertige Materialien, aufwendige Produktion, hohe Schärfe, Kontrast und Dynamikumfang usw. es sind eben echte Spitzenobjektive. Derzeit gibt es 4 G-Objektive für das E-Bajonett – eines davon für den APS-C-Formfaktor. Für das ältere A-Bajonett gibt es insg. 7 Objektive – keines davon für APS-C.

Die Objektive von Sony findet Ihr auf dieser Homepage

Die Objektive mit ZEISS-Label sind von Sony gefertigt, ZEISS hat aber die Berechnung der Optiken übernommen.
ZEISS-Objektive haben seit jeher einen extrem guten Ruf; den Photos, die mit einem Zeiss-Objektiv gemacht wurden, wird oft ein besonderer Look nachgesagt – das muß aber jeder für sich selbst entscheiden…

Originale ZEISS-Objektive sind nicht nur von Zeiss gerechnet, sondern auch von Zeiss produziert. ZEISS-Objektive zeichnen sich durch extrem hochwertige Materialien und herausragende Fertigung aus. ZEISS stellt aber nicht nur von Sony Objektive her, sondern auch für andere Hersteller – so gibt es die legendäre OTUS-Reihe nicht für Sony, aber für Nikon und Canon – andersherum gibt es die Loxia-Reihe nicht für Canon und Nikon…

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Übrigens: die Bezeichnung SAL steht für „Sony A-Mount Lens“, die Bezeichnung SEL für „Sony E-Mount Lens“. „FE“ bedeutet „Full Frame E-Mount“, also Objektiv für das E-Bajonett im Vollformat; „ZA“ steht für Zeiss A-Mount, „ZE“ für Zeiss E-Mount. Eine Objektivbezeichnung wie SEL2470Z bezeichnet also derzeit das Sony Zeiss Vario Tessar T* 24-70mm f/4. „PZ“ steht für „Powerzoom“.

Minolta-Objektive können nach wie vor am A-Bajonett problemlos genutzt werden – für das E-Bajonett braucht man einen Adapter.

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2) Nikon
Meines Wissens ist Nikon einer der wenigen Hersteller, der auf besondere Unterscheidungsmerkmale bei seinen Objektiven verzichtet. Nikons Objektive tragen sämtlich den Namen „Nikkor“ und sind ausschließlich in schwarz erhältlich. Die Farbe soll nicht auffällig sein, damit etwaige Räuber und Diebe keinen Anhaltspunkt für die Qualität des Objektivs haben – so sagen zumindest die Nikonianer.
Einzig ein goldumrahmtes N kennzeichnet bisweilen eine neue Revision eines bestimmten Objektives.

Auch Nikon bietet aber sowohl für das Kleinbildformat, als auch für APS-C Objektive in allen möglichen Preisklassen an; zur Homepage
Eine Übersicht über die Objektiv-Terminologie von Nikon findet Ihr hier

Das Bajonett von Nikon nennt sich „F-Bajonett“. FX-Objektive sind für das Kleinbildformat, DX-Objektive für APS-C.

Auch Nikon gilt als Hersteller extrem hochwertiger Objektive und hat sogar in den Anfangsjahren noch für Canon Objektive produziert, als Canon noch keine eigene Serie hatte.

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3) Canon
Canon unterschiedet ebenfalls in zwei Serien: einmal in die „normalen“ Objektive ohne besondere Kennzeichnung, und einmal in die sog. „L-Serie“. Die L-Objektive erkennt man stets an einem roten Ring, der um das Objektiv läuft und/oder an der weißen Farbe.
Zudem wird auch noch in EF und EF-S unterschieden – das EF-Bajonett ist für das Kleinbild – das EF-S-Bajonett für APS-C-Sensoren.

Eine Übersicht zu Canons Objektiven gibt es hier

Canons L-Serie zeichnet sich seit jeher durch extrem gute Optiken mit herausragender Schärfe aus.

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4) Fujifilm
Fuji gehört zu den Pionieren der spiegellosen Systemphotographie. Das X-Bajonett nimmt Linsen von höchster Qualität auf – die sog. Fujinon XF-Objektive. Die „normale“ Reihe wird durch Kürzel „XC“ gekennzeichnet.

Fujifilm stellt derzeit ausschließlich Kameras für den APS-C-Formfaktor her. Die Brennweiten haben also einen „Crop-Faktor“ von 1,6 verglichen zum Kleinbild – d.h.: 35mm an einer Fuji entsprechen ca. 50mm am Kleinbild (Bildbeschnitt durch geringere Sensorgröße).

Eine Übersicht über Fijifilms Objektive gibt es hier

Die XF-Objektive erkennt man idR an dem roten Siegel.

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5) Olympus
Auch Olympus bietet eine Objektiv-Serien unterschiedlicher Qualität an; unterschieden wird bei Olympus in Standard, Pro und Top Pro. Eine Übersicht gibt es hier

Eine besondere Bezeichnung ansich gibt es meines Wissens nicht – die Objektive heißen alle „ZUIKO“. Und den blauen Ring scheinen auch alle zu haben – ich muß zugeben, daß ich mich hier nicht besonders gut auskenne…

Grundsätzlich ist auch Olympus dafür bekannt, sehr hochwertige Optiken herzustellen. Gerade die Top Pro-Reihe läßt hier kaum Wünsche offen.
Wissen muß man, daß Olympus derzeit lediglich Objektive für den Micro Four Thirds-Standard herstellt (MFT-Sensoren mit 4:3 Bildverhältnis – ca. halb so groß wie APS-C).

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6) Pentax
Der Vollständigkeit halber sei nun noch Pentax genannt – bei Pentax kenne ich mich aber leider noch weniger aus, als bei Olympus… die Objektive – soviel habe ich aber gehört – sollen ebenfalls teilweise sehr gut sein; ob und wie sich diese unterscheiden lassen, weiß ich leider nicht – wenn ich mir deren Homepage anschaue, sieht alles ziemlich bunt aus… 😀

Soviel weiß ich noch: meistverwendet ist das K-Bajonett.

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7) Sigma
Sigma ist einer der bekanntesten und größten Dritthersteller für Objektive, produziert aber auch eigene Kameras (dürfte aber als Nischenmarkt zu bezeichnen sein).

Unter dem Label „Sigma Global Vision“ vermarktet Sigma seit einiger Zeit seine neu ausgerichteten Produktlinien.
„C“ steht für Contemporary und richtet sich an den sog. Consumer-Markt; auf gut Deutsch: das sind die günstigen Objektive.
„S“ steht für Sport. Schneller Autofokus, meistens längere Brennweiten und höherwertige Optiken.
„A“ steht für Art. Dies ist Sigmas Oberklasse. Art-Objektive sind sehr gut verarbeitet und bieten eine brillante Bildqualität, die oft der von den „großen drei“ (Canon, Nikon und Sony/Zeiss) in nichts nachsteht und diese manchmal sogar übertrifft.

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(Bild: Sigma Homepage)

Farblich unterscheiden sich die Objektive nicht – lediglich durch den Buchstaben an der Seite.
Die Sigma-Objektive findet Ihr hier

Sigma bietet Objektive für das Kleinbild, für APS-C und auch für spiegellose Systemkameras an.

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8) Tamron
Tamron ist Sigmas großer Konkurrent. Interessant an Tamron ist vor allem auch, daß Sony 11% Anteile an diesem Unternehmen besitzt.

Tamron ist – wie Sigma auch – dafür bekannt, günstige, aber vergleichsweise hochwertige Objektive herzustellen für einen Bruchteil des Preises, den die großen Kamerahersteller für ihre Produkte verlangen. Auch Tamron stellt für alle gängigen Hersteller Objektive sowohl für das Vollformat, als auch für APS-C zur Verfügung, sowohl für DSLR-Systeme, als auch für spiegellose Kameras.

In jüngster Zeit hat Tamron das Äußere seiner Objektive mehrfach verändert. Vor einigen Jahren sahen die Linsen den Nikkor-Objektiven von Nikon ähnlich (wie auch bei Sigma) – dann bekamen sie einen goldenen Rand – und neuerdings kommen sie (wie bei Sigma…) in schlichterem schwarz-silbernen Look daher.

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(Bildquellen: Tamron.eu)

„SP“ (Super Performance) bezeichnet bei Tamron immer die „guten“ Objektive – ich glaube aber, daß das inzwischen fast überall draufsteht… Di = Kleinbild; Di II = APS-C; Di III = Spiegellose Systemkameras.

Tamrons Objektive sind hochwertig verarbeitet (wenn auch meist aus Plastik) und bieten immer bessere Qualität.
Eine Übersicht gibt es hier

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9) Sonstige
Tja, welche fallen mir da spontan ein…?

Voigtländer, Leica, Tokina, Walimex/Samyang/Rokinon…
Voigtländer und Leica laufen hier etwas außer Konkurrenz – vor allem Leicas Linsen für das M-Bajonett sind zwar extrem gut, aber auch extrem teuer – in meinen Augen erheblich zu teuer. Die Leica-Schwärmerei vieler Amateur- und Profiphotographen mag begründet sein – oft ist es aber hauptsächlich reine Emotion. Wer derart viel Geld hat, sich eine Leica und die Objektive leisten zu können, aber weniger emotional an die Sache rangeht, der sollte sich eine Sony oder eine Fujifilm kaufen. Da kriegt man mehr für’s Geld – vor allem, wenn man ggf zusätzlich auf ZEISS-Optiken setzt.

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(Bilder: Leica.de und Voigtländer.de)

Tokina ist ein Hersteller günstiger, einfacher Objektive; die Linsen sind oft wirklich nicht schlecht – vor allem die Ultraweitwinkel-Objektive sind absolut als sehr gut zu bezeichnen. Man bekommt für günstiges Geld sehr gute Optiken. Leider gibt es von Tokina meist nur APS-C-Objektive.

Walimex/Samyang/Rokinon (ist alles derselbe chinesische Hersteller) produziert ebenfalls extrem preisgünstige Objektive, die qualitativ oft nicht schlecht sind und für das hingelegte Geld meistens sogar super. Beliebt sind vor allem die UWW-Objektive und die Spiegeltele (als Alternative zur sog. „Russentonne“).

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(Bildquelle: Walimexpro.de)

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6 Antworten zu “Woran erkennt man die „guten“ Objektive?

  1. Schöner Artikel. Da muss man sich echt hinein arbeiten wenn man die Linsen für jede Kameramarke kennen will und vor allem für welchen Bildsensor diese auch gedacht sind. Als gelernter Kamerafachverkäufer musste ich damals schon einige Zeit investieren um da ne Übersicht zu haben 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Das fällt mir heute teilweise noch schwer, weil ständig alles im Umbruch ist und nicht jeder Hersteller so gnädig ist zu sagen, welche Linse nun für welchen Sensor ist… Finde ich z.B. bei Tokina noch immer ziemlich verwirrend.

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      • Muss ich dir recht geben. Teilweise ist es nur noch unübersichtlich. Aber es hat keiner behauptet das es einfach werden soll sich ein Objektiv zu seiner Cam zu kaufen 😛

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