Phototour der Kontraste: Mannheim Herzogenriedpark – Heidelberg Emmertsgrund

Am vergangenen Sonntag gab es für mich eine Tour der Kontraste. Zunächst ging es in den Mannheimer Herzogenriedpark und anschließend nach Heidelberg in den Stadtteil Emmertsgrund.

Mannheims Stadtparks erfreuen sich nicht nur bei der Mannheimer Bevölkerung größter Beliebtheit – von überall her aus der Region strömen die Massen beinahe täglich in die Stadt, um die beiden großen Parks als Naherholungsgebiet zu nutzen.

Luisenpark und Herzogenriedpark wurden im Zuge der Bundesgartenschau 1975 erneuert bzw. erweitert. Mannheims Stadtparks gelten als zwei der schönsten Parkanlagen Europas. Und das zu recht. Zwar fehlt an einigen Ecken manchmal das nötige Kleingeld für eine permanente Erneuerung oder Erhaltung, aber die Stadt kümmert sich gut um die beiden Juwelen.

Im Herzogenriedpark nun steht die sog. „Multihalle“. Dazu steht bei der Wikipedia:

Die Multihalle ist eine Halle mit einem mehrfach gekrümmten Gitter aus Holzleisten, die von den Architekten Carlfried Mutschler, Joachim Langner und Frei Otto geplant und im Jahr 1975 fertigstellt wurde. Die Planung des Tragwerks und die Nachweise der Standsicherheit wurden durch das Büro Ove Arup & Partners aus London erbracht (heute Arup Group Ltd.). Unter der gemeinsamen Überdachung aus zwei ineinander übergehenden Kuppeln befindet sich die eigentliche Veranstaltungshalle sowie ein erweiterter Bereich mit Durchgängen und einem Restaurant. Durch die teilweise lichtdurchlässige Folie wird der Innenraum mild und gleichmäßig durch das Tageslicht ausgeleuchtet.

Allgemeine Daten:

Tragkonstruktion: Holzlatten, kreuzweise in zwei bzw. vier Latten übereinander verlegt. Abstand voneinander 50/50 cm. Lattenquerschnitt 5/5 cm (Holz: Hemlock Pine)
Dachfläche: 9.500 m²
Bohrlöcher an den Kreuzungspunkten: 144.000, 34.000 Bolzen
Randumfang: 685 m (seilgestützter Rand: 35 m, Bögen: 135 m)
Seilnetz: 7.150 m
Bedachung: Trevira-Gewebe, geschwärzt, PVC-beschichtet, Bahnenware, an den Stößen überlappt und geschweißt, auf Nagellatten mit Bukamaklammern
Hallengröße: 10.500 m³
Gesamtlänge: 160 m
Gesamtbreite: 115 m
Kuppelhöhe: 20 m
Größte Querspannweite: 60 m

Und hier nun die Aufnahmen zu dieser beeindruckenden Konstruktion, die derzeit größtenteils sanierungsbedürftig ist.

Exit the UFO

Enter the UFO

Und hier noch einige Aufnahmen der Parklandschaft, in der es – wie im Luisenpark auch – von Tieren nur so wimmelt. Peinlich aber wahr: ich habe dort meinen ersten Gänsemarsch gesehen. Und es war wunderschön!! 🙂
Überhaupt gibt es dort freilaufende Enten und Gänse in größtmöglicher Anzahl; im Parksee tummeln sich Welse und Schildkröten und in den Bäumen hüpfen Eichhörnchen von Ast zu Ast. Es ist traumhaft.

Eichhörnchen

Herzogenriedpark II

Herzogenriedpark

Besonders beeindruckend fand ich den kleinen, aber feinen Bambuswald am Rande des Parksees. In dieser Dichte habe ich selbst Bambus noch nie direkt begehen und befühlen können. Eine einmalige Erfahrung.

Bambus II

Bambus

Album bei Flickr

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Von da aus ging es zum Kontrastprogramm.
Der Stadtteil Emmertsgrund in Heidelberg gilt als eines von Heidelbergs Ghettos. Es spricht einerseits für Heidelberg, daß dieses fragwürdige Paradebeispiel einer brutalistischen Betonwüste inmitten eines Waldstückes im Odenwald liegt und so von der Anlage her im Grunde recht ansehnlich sein kann, wenn das Licht stimmt. Aber welcher Gehirnamputierte läßt es bitte zu, daß eine solch schöne Gegend mit einem derartigen negativen Mahnmal für den sozialen Wohnungsbau verschandelt wird??!!

So gibt es im Emmertsgrund und im benachbarten Stadtteil Boxberg auch keinerlei höhere weiterführenden Schulen… Damit war die Rolle dieses Stadtteils als abgelegener sozialer Brennpunkt von vornherein festgelegt.

Zum Stadtteil bei der Wikipedia:

Der Emmertsgrund wurde Ende der 1960er Jahre von Fred Angerer und Alexander von Branca unter Mitwirkung von Alexander Mitscherlich als Großsiedlung für etwa 11.000 Einwohner konzipiert und unter Förderung des Bundes durch die Neue Heimat zwischen 1970 und 75 ausgeführt. Bis heute hat die Einwohnerzahl allerdings nur etwa 7.000 erreicht. Die Wohninfrastruktur zeichnet sich im Norden des Stadtteils durch hohe Betonbauten und im Süden durch zwei- bis dreigeschossige Eigenheime aus. Markant ist an der Schnittstelle ein Hochhaus einer Versicherungsgruppe, das höchste Gebäude in Heidelberg.

Es war – trotz Sonnenschein – ein zwiegespaltenes Erlebnis, weil eben einerseits offensichtlich ist, daß man die Anlage einigermaßen „schön“ oder ansprechend gestalten wollte, andererseits aber diese abartigen Betonklötze jedes Klischee der Trabantenstadt repräsentieren. Und außerdem sind diese Dinger inzwischen 40 Jahre alt und deshalb teilweise zugewachsen… vor 40 Jahren muß das weitaus häßlicher ausgesehen haben.
In der Region weiß so ziemlich jeder: nachts geht man da am besten nicht hin. Und auch sonntags war es mulmig… man läuft mit all dem Equipment umher und wird alle paar Meter kritisch von der indigenen Fauna beäugt. Nach ca. 30 Minuten wurde mir das ganze dann auch zu spannend…

Hier meine Eindrücke (Flickr-Album):

Wohnblock

Spielplatz

Follow the yellow brick road...?

Nr. 27

Sonnenschirm

Alien Entrance

Emmertsgrundpassage

Aussicht

Aussicht II

Durchgang

Rankengang

Treppen

Eine kleine Story am Rande:
Ein Bekannter hat mir erzählt, daß er dort einmal beruflich zu tun hatte als Handwerker. Er ging so durch die Emmertsgrundpassage und sah einen anderen Handwerker kreidebleich mitten auf dem Weg stehen. Dieser berichtete, daß er hier gerade Baumbeschnitt durchführen wollte, als plötzlich eine vollgeschissene Windel wie ein Haubitzengeschoß knapp neben ihm einschlug. Ein Schock für’s Leben. Emmertsgrund live.

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Benutzes Equipment:
Sony A99 + Minolta AF 17-35mm f/2.8-4
Sony A7s + Minolta AF 70-210mm f/4 („Ofenrohr“)

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