Der Megapixel-Wahn: wozu 36, 42 oder 50 Megapixel am Vollformat?

Schönen Sonntag zusammen 🙂

Gerade habe ich im Netz in Schrift und Bild einmal mehr diverse Beträge verfolgt, die sich mit diesem ziemlich kontroversen Thema befassen. Wer sich hier „schlau“ machen will, wird spätestens nach einer halben Stunde Lektüre (oder Videobetrachtung) feststellen, daß er hinterher noch verwirrter ist als vorher.

In so ziemlich jedem Forum, Blog oder sonstwas wird wild mit Begriffen wie Auflösung, Druckqualität, Cropping usw. um sich geworfen, ohne daß man wirklich falsches und richtiges voneinander trennen kann.

Um hier einmal eines vorweg klarzustellen: auch ich bin kein Experte, verstehe aber ein wenig etwas von Werbung und Marketing (habe ich gelernt), sowie von Drucktechnik (rudimentär), Photographie (Autodidakt) und Bildbearbeitung (ebenso).

Wer sich eine neue Kamera kauft, der möchte diese auch eine Weile benutzen. Sei es nun, um erste Erfahrungen zu sammeln, die Photos nur für ein kleines Album auszudrucken, die Bilder auf A1 drucken zu lassen, im Web zu posten oder diese einfach nur auf dem TV-Schirm zu betrachten. Meistens kauft der Ahnungslose, weil Anfänger, dabei eine möglichst günstige Kamera mit einem Sensor, der relativ hoch auflöst, bspw. eine Kompaktknipse mit Minisensor, aber 20 Megapixel Auflösung. Weil: viel hilft viel, ne? Falsch.

Wer meinen Blog verfolgt, der findet zum Thema Sensor und Auflösung hinreichende Dokumente zum suchen 😉
Hier soll nur kurz wiederholt werden: Mehr Pixel brauchen mehr Platz auf dem Sensor, womit idR die Bildqualität proportional zur verwendeten Fläche sinkt.
Manche kriegen das besser, manche schlechter in Griff und am Ende entscheidet auch und vor allem der in der Kamera verbaute Bildsensor über die ausgegebene Qualität, sowie das vorne an der Kamera angebrachte Objektiv. Qualität ist dabei ein objektiver Begriff, wenn man von rein technischer Seite das Auflösungsvermögen der Hardware betrachtet – viele Megapixel und eine gute optische Verarbeiten ergeben nicht automatisch ein gutes Photo. Das macht noch immer der Photograph.

Nun ist es so, daß bislang „herkömmliche“ (also gute und teure Objektive) maximal bis zu 24 oder auch mal 29 Megapixel aufgelöst haben. Das Objektiv (optische Qualität) entscheidet also letztlich darüber, ob die Megapixel überhaupt in der digital erzeugten Datei ankommen.
Löst das Objektiv nur 24 Megapixel auf, bringen einem ein 36 Megapixel-Sensor einer Sony A7r oder einer Nikon D810 überhaupt nichts. Es wird im Grunde nur die Datei größer, einerseits in Sachen Abmessung, andererseits als Dateigröße auf der Festplatte.
Ein Zeiss Otus bspw. schafft (lt. DXO) z.B. 35 Megapixel, also noch immer 1 MP weniger, als der Sensor der beiden o. g. Kamera. Das Objektiv kostet aber auch 4.000 Euro. Das bezahlt so gut wie niemand.

Ein solches Objektiv an einer Sony A7r II anzubringen, hat also nicht notwendigerweise eine höhere Qualität zur Folge.
Es ist aber so, daß ein solches Objektiv natürlich besser abbildet, als z. B. eine Kitlinse. Sie ist einfach hochwertiger produziert, besser vergütet usw.
Auflösung, Qualität, Detail und Bildschärfe hängen zwar immer zusammen, sind aber keine absoluten Werte.
Es kann unter Umständen sogar passieren, daß ein Objektiv, das nur 24 Megapixel abbilden kann, an einem 42 Megapixel-Sensor schlechter aussieht.

Generell kann man sagen: je größer der Sensor, desto größer die Pixel, desto besser die potenzielle Qualität, sofern entsprechend dafür gerechnete Objektive verwendet werden.

Weil wir eine Kamera eher einmal ersetzen können, behalten wir idR unsere Objektive über einen deutlich längeren Zeitraum. Eine Kamera veraltet, geht kaputt, die Reparatur wird unwirtschaftlich etc etc etc… ein Objektiv hält unter normalen Umständen auch einmal 30 Jahre oder länger, ohne dabei an Qualität und Auflösung zu verlieren.
Wenn man also einen neuen Megapixelwahn aus marketingtechnischen Gründen ausruft, müssen auch neue Objektive her – manch einer mag das für sich selbst rechtfertigen, weil 10.000 Euro immer noch günstiger sind, als Mittelformatkameras + Zubehör.

Mit großen Dateien kann man natürlich einiges anstellen. Man kann von weiter hinten Photos aufnehmen, diese dann bequem bescheiden (croppen) und hat am Ende vielleicht noch immer ein gut aufgelöstes 24 MP-Bild.

Und ja: bei mehr MP sieht man durchaus auch manchmal mehr Details.

Nun zur Gretchenfrage: wie groß kann ich drucken?
Das ist das Thema, das allüberall Erregung auslöst.
Zunächst: wer von uns druckt den ganzen Tag großformatige Poster oder Plakate? Damit meine ich A1, A0 und größer? Ich wette, das macht unter Hobby-/Amateurphotographen so gut wie niemand. Und selbst wenn… reichen dann die 12 Megapixel einer Sony A7s oder die 16 Megapixel einer Nikon D4s oder einer Fujifilm X-T1?
Ja, das tun sie. Aber warum?
Erstens geht es darum, wie man das Bild (vorausgesetzt man kümmert sich um RAW-Dateien) verarbeitet. In Lightroom und/oder Photoshop oder anderen Programmen kann man (je nachdem) die Datei so abspeichern, daß problemlos größere Drucke möglich sind. Im Druckverfahren werden die DPI/PPI nämlich gesampelt und an die erforderliche Druckgröße angepaßt.
Dann ist auch ganz erheblich entscheidend: der Betrachtungsabstand!!
Kein Mensch stellt sich vor ein A0-Poster in einem Abstand von nur wenigen Zentimetern, um die Pixel zu zählen.

Meine alte Canon 400D hatte „nur“ 10 Megapixel (was schon deutlich mehr sind, als ältere Digitalkameras der Profiklasse) und damit konnte ich ganz leicht A1-Poster drucken, die wunderbar aussehen – wohlgemerkt auch aus JPEGs.
Meine letzte Druckerei wollte hochaufgelöste TIFFs – kein Problem, denn beim Export in z. B. Lightroom kann man das ganz leicht einstellen.
Will man selbst drucken, kann man auch in Photoshop die Dateien größer ziehen und die notwendigen DPI etc angeben.

Vor den A1-Prints meiner (verkauften) Sony A99V stand ich teilweise idR nur wenige Zentimeter entfernt (die hängen größtenteils in einem engen Flur) – hier helfen die Megapixel sicher etwas, die Details besser abzubilden – aber daneben hängen die 10MP-Bilder auch in A1 und keine Sau regt sich drüber auf – man sieht es nämlich kaum, bzw. wenn man es nicht weiß, interessiert es keine Sau und niemand merkt etwas von wegen Details. Es geht um die Bildwirkung und nicht um das Pixelzählen.

Normalerweise steht man vor entsprechend großen Bildern einige Meter weg, um deren Wirkung einfangen zu können. Je kleiner die Bilder, desto größer die Auflösung, desto näher der Betrachtungsabstand.

Wenn Ihr also, wie ich, normalerweise im Web veröffentlicht und ab und zu mal ein Photobuch in A4 oder A3 – oder auch mal ein Poster ein A2 oder A1 druckt… dann reichen 12 bis 24 Megapixel locker aus, selbst wenn man auch mal ein klein wenig beschneiden muß.

So, das soll es für heute mal gewesen sein 🙂
Wem noch etwas zum Thema einfällt – Ergänzungen oder Korrekturen: rein damit in die Kommentare 🙂

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3 Antworten zu “Der Megapixel-Wahn: wozu 36, 42 oder 50 Megapixel am Vollformat?

  1. Hallo Sebastian,
    es gibt einen Grund warum ich zu einer Mittelformat mit dem Phase one iq 180 gegriffen habe : in der Postproduktion findest du auch bei 300% Vergrösserung immer noch retuschierbare Pixel…also Material um das Bild deinen Wünschen entsprechend umzubauen…versuch das mal mit einer Olympus oder ähnlichen Systemen….lässt man aber das fotografierte Bild so wie es ist und retuschiert nur ein paar Sensorflecken z.B…. dann kannst du auch von einer Olympus super Bilder drucken,von einem i-phone , geschweige denn von einer Canon oder Nikon Vollformat.
    Beste Grüsse, Jürgen

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    • Gut, in Sachen Postproduktion bin ich nicht sonderlich bewandert. Klar ist, daß in professionellen Bereichen vor allem große Pixel einen enormen Vorteil bringen.

      Eine 50MP Phase One mit MF-Sensor bringt da ganz andere Sachen in die Datei, als ein halb so großer VF-Sensor mit gleicher MP-Anzahl. Das sind durchaus Qualitätsunterschiede.

      Es dürften aber welche sein, die ein „Normal“-User nie benötigen wird.
      Ich bspw. habe kein Interesse daran, am Rechner einzelne Pixel zu korrigieren, da fehlt mir die Zeit und die Lust dazu 😀
      In meiner Wohnung finde ich max Platz für drei bis vier A1-Poster, und wenn das Photo anständig gemacht wurde, kann i h das locker drucken lassen.

      Ich hab diese Woche nochmals bei mir im Büro nachgeschaut, da hängen etliche meiner Photos in A1 und zwei in A0. Die A0 habe ich mit einer Canon 400D gemacht. Ist eig kein Problem…

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