Gastbeitrag: Wenn das Hobby zum Beruf wird – von Sven Pieloth

Einen wunderschönen Samstagnachmittag wünsche ich Euch allen, werte Leser 🙂

Heute habe ich ein kleines Schmankerl für Euch in Form eines Gastbeitrages. Der Photograph Sven Pieloth aus Worms erzählt Euch von seiner Erfahrungen als quasi frisch gebackener Profi, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat – ein Traum für viele.

Ich habe Sven 2014 auf einem Portrait-Workshop von Besier Oehling bei der Fotomesse Worms kennengelernt – wir haben uns auf Anhieb verstanden und haben immer mal wieder Kontakt via Facebook – und daher kam ich auf den Gedanken, ihn einfach mal zu fragen, ob er nicht Interesse hätte, Euch seine persönlichen Erfahrungen, seinen Werdegang etc. zu erzählen. Ich freue mich sehr, daß er Ja gesagt!!

Und so: hier ist die heutige Top-Story 🙂
Viel Spaß:

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Erst einmal vielen Dank an Sebastian für die Möglichkeit einen Gastbeitrag in seinem Blog schreiben zu dürfen. Natürlich hoffe ich darauf, dass er für Euch interessant zu lesen ist. Ich gebe mir auf jeden Fall viel Mühe.

Ich soll etwas über mich, meinem Werdegang und meine Sicht zum Thema Fotografie und Bildbearbeitung schreiben. Na gut, dann legen wir mal los.

Mein Name ist Sven Pieloth, bin gebürtiger und stolzer Nürnberger, geboren bin ich in dem Jahr als Tony Montana sein Imperium aufbaute und die Jedis zurück kehrten (1983). Ich arbeite als selbstständiger Fotograf mit Sitz in Worms, Rheinland-Pfalz.

Ich denke ich fange mal ziemlich früh an etwas über mich zu erzählen. Als Kind war ich schon immer eher der „Ruhige“. Meine Mutter schwärmt mir heute noch vor wie brav ich doch als Kind gewesen sei. Ich konnte mich schon immer prima selbst beschäftigen. Soweit ich mich noch erinnern kann, fand ich Bildsprache schon immer faszinierend. Angefangen mit Zeichentrickfilmen wie – Das letzte Einhorn -, über meinen ersten Realfilm – Legende – der mir als Kind angst machte (Tim Curry als Lord of Darkness…genial!) und später auch Comics. Ich habe angefangen viel selbst zu malen und zu zeichnen. Mit der Fotografie habe ich mich natürlich auch beschäftigt.

Ich bekam mit acht Jahren meine erste Kamera geschenkt. Das war eine weinrote Revue. Natürlich damals mit waschechten 35mm Film. Damit habe ich viel geknipst. Am meisten meine Familie, Freunde und meine mühsam in Pose gestellten Actionfiguren. Quasi meine ersten Composings. Da ich damals aber lieber gezeichnet habe und ich das Geld für die Filmentwicklung lieber in Comics gesteckt habe, kam die Fotografie viel zu kurz. Es dauerte lange bis ich mich wieder der Fotografie gewidmet habe. Mit 19 Jahren habe ich mir meine erste digitale Kompaktkamera zugelegt. Soweit ich mich erinnern kann war diese von Kodak und hatte 2,1 Millionen Bildpunkte. Nichts besonderes
eben. Aber, ich habe damals angefangen Composings am Computer zu erstellen. Mein damaliger bester Freund hatte ein Programm zu Weihnachten geschenkt bekommen. Photo Impact hieß das. Kennt wahrscheinlich keine Sau mehr. Eigentlich war es für Composings auch nicht wirklich ausgelegt. Hauptsächlich sollte man damit einfach nur Fotos korrigieren. Wir haben es aber trotzdem bis zum Gehtnichtmehr ausgereizt. Dafür mussten auch echte Fotos her. Somit haben wir alles mögliche gebastelt und so ist meine Liebe zur Bildbearbeitung entstanden.

Mit 21 Jahren hatte ich das rießen Glück einen Job in einem Foto-Medien-Labor in Nürnberg zu ergattern. Ich war quasi das -Mädchen-für-Alles-. Ich durfte dort alles machen. Von der chemischen Filmentwicklung in der Dunkelkammer über Bildbearbeitung mit Photoshop 7, zu dem ich gleich mehr erzählen werde, und das schießen von Bewerbungsfotos. Ich wurde, trotz fehlender Ausbildung voll mit einbezogen. Ich habe alles gezeigt bekommen und habe mir den Rest selbst beigebracht. Wie bereits erwähnt konnte ich ebenfalls Photoshop nutzen. Damals in der Version 7.
Oh mein Gott, was hat mich dieses Programm geflasht! Die Möglichkeiten waren schier unendlich. Ich bin sogar nach der Arbeit länger da geblieben weil ich unbedingt alles ausprobieren musste was mit Photoshop alles möglich war. Seitdem bin ich mit dem Photoshop Virus infiziert. Als ich erfahren habe was dieses Programm kostet, damals die Version CS2, war ich erst mal wieder ernüchtert. Ich wollte dieses Programm aber unbedingt Zuhause nutzen. Ich habe mir also viel Geld mit der Arbeit im Labor zusammen gespart, dass ich tatsächlich irgendwann genug zusammen hatte. Photoshop Love!

Wie man schon erkennen kann, hat im Prinzip alles mit der Bildbearbeitung angefangen. Die Fotografie war für mich eher zweckmäßig. Ich habe sie hauptsächlich für Objekte oder Texturen gebraucht. Das änderte sich allerdings, als ich meine Lehre zum Kaufmann im Einzelhandel begann. Denn, ich habe sie in einem Fotofachgeschäft in Fürth bei Nürnberg absolviert. Da musste ich mich sehr mit dem Thema Fotografie und Fototechnik aussendender setzen. Da das Geschäft ebenfalls ein Fotostudio führte, habe ich auch gleichzeitig neben meiner kaufmännischen Ausbildung, eine inoffizielle Fotografenausbildung genossen. Das hat mir das Arbeiten mit Menschen vor der Kamera näher gebracht. Das fand ich letzten Endes so interessant, dass ich mir dort meine erste DSLR zulegte. Damals eine Canon EOS 20D mitsamt 50mm/1.8 Objektiv. Damit habe ich so gut wie jeden Menschen in allen möglichen Locations porträtiert der Lust hatten vor meiner Kamera zu stehen. Ich hatte eine menge Spaß und dadurch, dass ich eine einzige Linse hatte, habe ich diese so gut kennen gelernt, dass ich sie in Kombination mit der Kamera perfekt einsetzen konnte. Ich war einfach zufrieden und habe das System Jahrelang so weiter benutzt.

Nach meiner Ausbildung wechselte ich dann zum großen roten Elektronikfachmarkt. Leider war das für mich eine Fehlentscheidung. Das persönliche und die langen Beratungsgespräche waren nicht mehr da. Es war wie arbeiten am Fließband. Ich habe es nicht wirklich lange dort ausgehalten. Ich habe dann viele wechselnde Jobs ausgeübt um irgendwie über die Runden zu kommen. Was aber immer geblieben ist, war die Fotografie und Bildbearbeitung.

Irgendwann stellte mir meine Frau eine essenzielle Frage. „Hast du schon mal darüber nachgedacht dich mit der Fotografie selbstständig zu machen?“ Ich musste nachdenken und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich tatsächlich schon mal darüber nachgedacht habe. Das war aber eher nur eine kleine und kurze Überlegung. Ich habe mir eine selbstständige Tätigkeit nie wirklich zugetraut. Sie bot mir ihre uneingeschränkte Unterstützung an, was ich ihr so verdammt hoch anrechne. Auch heute noch. Ich beschäftigte mich etwa eineinhalb Jahre mit dem Thema Selbstständigkeit, schrieb einen Businessplan den ich etwa hundert Mal änderte und besuchte ein Gründerseminar. Ich wollte wissen ob ich überhaupt von meinem fotografischen Können soweit war um auch damit Geld zu verdienen. Ich versuchte an Fotoaufträge zu kommen um zu sehen ob sich jemand dafür interessiert. Tatsächlich habe ich eine Menge Anfragen bekommen. Somit war es für mich der Startschuss. Und da ich sowieso schon immer das Motto verfolge – Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – habe ich
mein Gewerbe angemeldet. Fortan war ich selbstständiger Fotograf. Und das jetzt mittlerweile seit etwas mehr als ein Jahr.

Was bedeutet Fotografie für mich eigentlich? Hat sich jemand von Euch schon einmal diese Frage gestellt? Ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Ich mache sie einfach. Wenn ich darüber nachdenke ist es in erster Linie Spaß für mich. Ich habe einfach Spaß mit Menschen zusammen zu sein, diese so gut es geht ab zu lichten um ihnen damit eine Freude zu machen. Ich liebe die Kombination aus dem eigentlichen Fotografieren und der Bildbearbeitung bzw. Retusche danach. Das gehört für mich auch ganz klar zusammen. Ich hatte auf Facebook mal einen Satz gepostet der mir mal spontan zu dem Thema eingefallen ist: „Fotografie ohne Bildbearbeitung ist wie Vorspiel ohne Sex.“ Es ist dann einfach nicht vollendet. Ich wünsche mir, für immer die Fotografie und die Bildbearbeitung in meinem Leben behalten zu können. Denn Sie ist so vielfältig und spiegelt Gefühle wieder.
Dabei spielt für mich das Equipment eine eher untergeordnete Rolle. Das musste ich aber auch erst feststellen. Ich bin an sich ein sehr Technisch interessierter Mensch.

Ich hatte wie beschrieben erst eine Canon 20D. Als es mit der Selbstständigkeit los ging, holte ich mir eine Canon 70D mitsamt mehreren Objektiven, Blitzen, Lichtformer usw. Also das volle Programm. Ich dachte mir, ich muss für jede Situation ausgerüstet sein. Wenige Monate später verkaufte ich wieder die Canon Sachen, weil ich total scharf auf eine Vollformat Kamera war. Aber warum keine Canon 6D oder 5D? Ich war total angefixt von den Sony A7 Kameras. Und das sollte es dann auch werden.
Versteht mich nicht falsch. Ich habe meine Canon Kameras und die passenden Linsen geliebt und das waren auch tolle technische Geräte. Aber ich merkte, dass ich was verändern wollte. Außerdem war da diese Neugier nach der neuen Technik. Was soll ich sagen, tolle Cam! Klasse Objektive! Dann kam aber der Punkt, an dem alles zu viel wurde. Zuviel Gerümpel das kaum Anwendung fand. Außerdem fand ich zur Available Light Fotografie. Ich liebe die Herausforderung nur mit deiner Kamera und ein bis zwei Objektive und vielleicht noch einem Reflektor los zu ziehen und das natürliche Licht zu lesen und aus zu nutzen. Somit verkaufte ich den größten Teil an Equipment wieder. Es blieb nur ein Systemblitz, ein Beauty Dish, ein Blitz-Stativ und ein Reflektor übrig. Den Blitz und den Beauty Dish nutze ich nur wenn ich speziell dafür was geplant habe oder es gerade nicht anders geht. Hauptsächlich fotografiere ich Outdoor. Ich liebe es das Umfeld mit ein zu beziehen. In Kombination mit dem natürlichen Umgebungslicht bekommt man immer tolle Stimmungen hin.

Mittlerweile bin ich bei Nikon gelandet. Der ein oder andere denkt jetzt sicher an die D750 oder D800. Denn ich bin ja ein professioneller Fotograf. Die müssen immer mit Vollformat arbeiten. Aber da muss ich Euch leider enttäuschen. Ich habe mich bewusst wieder für eine APS-C DSLR entschieden. Ich arbeite derzeit mit einer Nikon D7200. Ich habe bereits Erfahrungen mit allen möglichen Sensoren und Kameras gesammelt. Und der Unterschied von APS-C auf Vollformat ist nicht mehr so groß wie es noch vor einigen Jahren war. Wenn ihr das mal ehrlich betrachtet, kann man bei einem Bild nur schwer sagen ob es mit einer APS-C oder einer Vollfomat Kamera aufgenommen wurde. Es gibt sicherlich berechtigte Vorteile für das Vollformat. In meinem Fall benötige ich diese aber nicht da ich mit meiner D7200 keine schlechteren Fotos mache als mit meiner Sony A7. Dazu kommt eben die größere Objektivauswahl die mir die Nikon bietet. Bei Sony war man da dann doch ein wenig eingeschränkt ohne teuren Adapter.

Abschließend möchte ich noch ein paar Sachen erwähnen. Zum einen sollte man sich selbst immer Treu bleiben. Versucht nicht wie andere zu sein. Entwickelt euch selbst weiter. Wenn man sich umsieht, gerade auf Facebook, sehen viele Bilder einfach nur noch gleich aus. Nehmt einfach jeden Tag die Kamera in die Hand und übt. Das bringt Euch auch mehr als jeder Workshop. Und egal was man tut. Aufgeben ist nicht drin. Die Fortschritte werden früher oder später Sichtbar sein. Aber am wichtigsten ist, dass Ihr Spaß an der Sache habt.

Ich danke jeden einzelnen für die Aufmerksamkeit und das Interesse an diesem Gastbeitrag.
Beste Grüße und Rock on!

Eurer Sven Pieloth aka Moreornothing-Photodesign

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Ihr findet Sven Pieloth im Netz unter folgenden Adressen:

Website / Blog: http://www.moreornothing-photodesign.com (noch in Arbeit)
Facebook: http://www.facebook.com/svenpieloth.photography
Instagram: http://www.instagram.com/moreornothing_photodesign

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5 Antworten zu “Gastbeitrag: Wenn das Hobby zum Beruf wird – von Sven Pieloth

  1. Ich verdiene mit Fotografie auch mein Geld und nutze einen APSC Sensor. Ich glaube durch die Einführung der DSRM Kameras (ich nutze die Fuji XT1 und XT10) plus die Weiterentwicklung der Crop Sensoren wird Vollformat langsam überflüssig bzw sinkt auf ein gleiches Level. Ich halte übrigens Technik für sehr wichtig. Zwar machen andere Kameras auch schöne Bilder, aber die Technik (auch das Handling) meiner Kamera passt zu mir. Das muss aber jeder selbst hwrausfinden. So wie Du. 😊 danke für Deinen Beitrag.

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