Schnell manuell fokussieren: die Hyperfokaldistanz und der Zonenfokus

Alle Welt schwört auf Objektive mit Autofokus, richtig? Nun, aber wieso erfreuen sich manuelle Objektive dann weiterhin durchaus großer Beliebtheit?

Klar, sie sind zunächst einmal günstiger… aber… ein Zeiss Otus ist nicht gerade ein Schnäppchen; im Gegenteil, die 55mm-Granate gehört zu den teuersten Objektiven dieser Brennweite.

Nun, einmal machen es die neuen spiegellosen Systemkameras mit deren Elektronischen Suchern etc sehr einfach mittels Focus Peaking (Kantenanhebung) zu fokussieren, zum anderen aber gibt es eine ziemlich sichere Methode, wie man – abhängig von der Situation – manuell sogar schneller fokussieren kann, als mit einem Autofokus.

Damit meine ich den sog. Zonenfokus und die Hyperfokaldistanz.

Was im ersten Moment furchtbar technisch und kompliziert klingt, ist in Wirklich ganz furchtbar einfach. Jedes manuelle Objektiv hat einen Blenden- und einen Fokusring. Mit dem Blendenring legt man die Öffnung des Objektivs fest und mit dem Fokusring wird scharfgestellt.
Die Objektive haben hierzu meistens zwei Skalen aufgedruckt. s. Bild

IMG_3607 Kopie

Auf dem Fokusring erkennt man in Metern oder Inch, ob man nah oder fern (bzw. auf unendlich) fokussiert/scharfstellt.
Der Blendenring zeigt einem die gewählte Öffnung der Iris.

Die Besonderheit liegt bei der kleinen Markierung zwischen den beiden Ringen. In der Mitte wird markiert welche Blende man gewählt hat. Die Raute zeigt auf den Blendenring. Die Zahlmarkierungen neben der Raute sind das entscheidende Werkzeug: Dort sind die Blendenstufen noch einmal eingraviert und zeigen auf dem Fokusring an, von wo bis wo man ein scharfes Bild bekommen (Schärfentiefe).

Auf dem Bild ist Blende 11 gewählt – der Fokusring wurde so gedreht, daß das Zeichen für „unendlich“ und die Zahl „3“ bei der Markierung „11! stehen. Das bedeutet, daß bei Blende 11 alles zwischen 3 Metern und unendlich scharf abgebildet wird – und das nennt man „Hyperfokaldistanz“.
Nimmt man nicht unendlich, sondern zB 10 und 2 Meter – dann ist alles zwischen 10 und 2 Metern Entfernung scharf (abhängig von der gewählten Blende). Dies nun ist der „Zonenfokus“.

Hat man diesen einen Fokus einmal eingestellt, kann man drauflos photographieren, ohne erst scharfstellen zu müssen. Eine Methode, die auch und vor allem in der Street Photography Verwendung findet, in der sich der Photograph entsprechend seiner Vorlieben zwischen Subjekten bewegt und einfach losschießen kann.

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3 Antworten zu “Schnell manuell fokussieren: die Hyperfokaldistanz und der Zonenfokus

  1. Eine Möglichkeit, die im AF-Zeitalter kaum noch jemand kennt – geschweige denn anwenden kann. Für die Schnappschussfotografie meistens sogar besser geeignet als mit AF.
    Zudem ist der AF ja auch nur ein Hilfsmittel zur Annäherung an den Schärfepunkt. Die korrekte Schärfe sollte eigentlich dann immer manuell nachjustiert werden.
    Gruss Jürgen

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    • Ich mag diese Vorgehensweise sehr, sie ist für mich aber in der Tat nur in ganz speziellen Situationen tatsächlich brauchbar, nämlich wenn ich mit mittlerer/geschlossener Blende auf der Straße unterwegs bin und es nicht so sehr auf geringe Schärfentiefe ankommt.

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      • Klar – bei Offenblende ist diese Methode nicht gerade empfehlenswert. Je nach Brennweite sollte schon zwischen Blende 8 – 16 gewählt werden. Der Schärfebereich (Tiefenschärfe) sollte schon einen gewissen Spielraum zulassen.
        Gruss Jürgen

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