Als ich mir meine erste DSLR kaufte

Gerade sitze ich am Rechner, betrachte einige meiner Aufnahme auf der Festplatte und auf Flickr und muß plötzlich an meine Anfänge zurück denken. Was war das für eine Zeit… als Kind habe ich eine alte Minolta Kompakt-Knipse gehabt, später eine SLR (X-700) und wußte mit beiden eig. nichts anzufangen. Ich kann mich erinnern, daß mein Vater einmal versucht hat, mir die Belichtungskorrektur zu erklären, daß muß in etwa so gewesen sein, als blickte man in die verständnislosen Augen einer Katze, der man versucht, Schrödingers Gleichung nahezubringen. Damals war – glaube ich – irgendwas um 10, 11 oder 12 Jahre alt.

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Ich habe die Photographie lange aus dem Blick verloren, verdrängt und vergessen.

Dann, es war im Jahre des 20. Jubiläums von Rock am Ring, sah ich mich „gezwungen“, mir eine neue Kompaktknipse zu kaufen, da die sicherlich tadellos begeisternden Momente auf diesem Festival zweifellos für die Ewigkeit festgehalten werden mußten. Es kam eine Canon Digital IXUS 30 ins Haus mit 3 Megapixel Auflösung.

Bildquelle: Canon

Und weil die Werbung mir versprach, daß in diesem kleinen Ding der gleiche Bildverarbeitungschip steckt, der gleichsam in den großen Profi-Kameras sein Wunderwerk verrichtet, konnte diese Kamera einfach nur die beste sein für meine Zwecke – außerdem: alle sagen, Canon ist total geil. Na also. Alles richtig gemacht.

– Pause für die Lacher –

Eine Sache hat diese kleine (von monströsen chromatischen Aberrationen geplagte) Kamera jedoch bewirkt: sie hat in mir den unbändigen Willen geweckt, aus der Photographie mein neues Hobby zu machen.
Nun steckte ich damals mitten in einer von vielen Ausbildungen, Studien und verzwickten Lebenserfahrungen geprägten Zeit, die es mir unmöglich gemacht hatte, mich meinem neuen Hobby intensiv zu widmen. Ich habe mir fortan so ziemlich jede Monatszeitschrift über Photographie gekauft, die ich habe in die Finger bekommen können. 2 Jahre lang habe ich gelesen, gelesen, gelesen und geträumt. Bin mit meiner Knipse wandern gegangen, habe so ziemlich alles abgeknallt, was auch nur im entferntesten interessant aussah, habe Abertausende von Bildern ohne jeden Inhalt geschossen und mich immer gewundert, warum meine Photos alle so komisch aussehen, die von allen anderen aber soooo geil. Vor allem diese Dinger, die aussehen wie gemalt… boooaaah, krass!! Wie geht sowas??!! Ich brauche endlich eine Spiegelreflexkamera, verdammt!!
Ja, was ich meinte, waren diese unsäglichen HDR, die ich heute einfach nur noch zum kotzen finde…

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Leider kann ich Euch nicht allzuviele meiner alten Schandtaten zeigen, da vor einigen Jahren ein Festplattencrash fast alle meiner Photos von 2005 bis 2013 zerstört hat…
Jedoch waren nicht alle Bilder, die ich mit dieser kleinen Kamera geschossen habe schlecht – das untenstehende ich sogar unbearbeitet:
Print Media Lounge, Heidelberg

Ich erinnere mich gut daran, wie ich so in meinen Zeitschriften blätterte (fotoMAGAZIN, ColorFOTO, FOTOHITS und viele, viele mehr) und allenthalben von „Weitwinkelzooms“, „Telezooms“ und allem möglichen anderen die Rede war und ich schlicht und ergreifend überhaupt keinen Plan hatte, was die eigentlich meinen…
Irgendwann war dann natürlich der Groschen mal gefallen. Und 2007 war es dann soweit – ich wollte unbedingt endlich eine DSLR. Ich hatte die Schnauze sowas von voll mit meiner Scheißknipse zur die Gegend zu ziehen, ich wollte endlich diese sauscharfen, saugeilen und sauhdrmäßigen Bilder schießen!!
Also bin ich nach der Arbeit – und nach dem nächsten, rasch eingerichteten Dispokredit (ja… tatsächlich) – in den nächstbesten Blödmarkt geschlappt und habe mir eine Canon EOS 400D gekauft. Warum ausgerechnet die? Nun, alle Zeitschriften waren der klaren Ansicht, daß die ganzen Canons einfach nur saugeile Kameras sind, die alles andere wie Schulmädchenspielzeug dastehen lassen. In all den Zeitschriften ging es idR immer nur um Canon und Nikon… ab und zu ließ man wohlwollende Worte über Nikon fallen, aber idR war Canon das Nonplusultra – und da ich ja schon Canon besaß (haha… Knipsdings…), war klar, daß es wieder eine dieser überragenden Geräte sein sollte. Eine EOS 5D konnte ich mir nicht leisten. Das pißte mich auch an. Und selbst die nächstgrößeren waren weit jenseits dessen, was möglich war. Verdammt. Wäre übrigens eine 30D oder eine 40D gewesen.
Aber: die kleine Kamera (die 400D) sah sehr geil aus, fühlte sich toll an – so richtig groß und schwer… geil. Jetzt war ich auf dem richtigen Weg!!

Bildquelle: Canon

Gleich am ersten Abend habe ich mich drinnen und draußen hingestellt und meine ersten Photos geschossen.
Im Automatikmodus.

– Pause für Kopfschüttler –

Nachdem ich irgendwann begriffen hatte, wofür die ganzen Knöpfe und Räder eigentlich gut waren, kamen allmählich und Stück für Stück bessere Aufnahmen zum Vorschein. Keine guten – noch lange nicht – aber sie wurden besser. Und vor allem: ENDLICH HDR!!
O Mann…
Vor allem die HDR waren so dermaßen beschissen… aber ich mußte einfach von allem eine Belichtungsreihe machen – egal wo ich war und was das Motiv war… und wenn es noch so ungeeignet war: HDR war das Maß aller Dinge.

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Johanneskirche Leutershausen F22 nah

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Weinheim - Bahnhof - Februar 2010 - f9 - mit Zug - IMG_9321_2_3_4_5_tonemapped_scharf

2009 war es glaube ich, als ich mir mein ersten Telezoom gegönnt habe. Ein Tamron 70-300mm. Und natürlich hatte ich vom Crop-Faktor zwar gehört, aber nicht wirklich gerafft, was das eigentlich soll… und EF und EF-S? Hä?
Es war schon zu Ohren gekommen, daß da eine „Brennweitenverlängerung“ stattfindet… wie soll das möglich sein?! Magie? Alientechnik?

Ja, so war das…

Und dann habe ich tatsächlich eine Zeit gehabt, in der ich fast gar nicht mehr photographiert habe. Der Job hatte mich gut eineinhalb Jahre so dermaßen zwischen seinen fiesen Krallen, daß ich froh sein konnte, wenn die Woche inkl. Fahrzeiten nur 70 Stunden hatte… Da war an rumlaufen und photographieren nicht mehr zu denken. Nur noch an schlafen.

Irgendwann war aber auch das wieder vorbei und ich hatte schlagartig wieder Lust auf mein Hobby. Und auch wieder auf ganz viele HDRs…
Zum Glück wurden auch die HDR wenigstens teilweise etwas besser:
Weinheim im Winter

Tunnel bei Nacht

Jesuitenkirche Mannheim

Aber hier gilt, natürlich habe ich mit dieser Kamera (zum Glück) nicht nur totalen Mist produziert:
Hin und zurück

Aber auch da ist irgendwann der Groschen gefallen. Dann habe ich aus Unachtsamkeit… na ja, mehr Dummheit, meine Kamera zerstört – bzw. den Verschlußvorhang beschädigt – und ich habe eine Reparatur als absolut unwirtschaftlich empfunden. Was sie sicherlich auch gewesen ist – aber immer noch günstiger, als eine neue Kamera.
Nichts desto trotz habe ich mir eine neue Kamera als Übergangslösung gekauft: eine Canon SX50 SH. Superzoom – geil. Hey, die kann ja auch RAW – die ist bestimmt geil.

Bildquelle: Canon

Nein, ist sie nicht. Und damals ist dann auch der Groschen gefallen hinsichtlich der Bedeutung der Sensorgröße für das Freistellen von Motiven etc.
Mit dieser Kamera unterwegs zu sein war eine Katastrophe und zum ersten Mal merkte ich, daß ein bestimmtes Stück Ausrüstung meinen Ansprüchen nicht mehr genügte. Das Ding mußte weg.

Das eine oder andere Mal, kam aber auch was halbwegs brauchbares dabei raus:
Storch

Mannheim Mühlauhafen Panorama II

Es hat aber wieder einige Monate gedauert… aber zu diesem Zeitpunkt habe ich endlich angefangen, mich intensiver mit Herstellern und deren Modellen auseinander zu setzen und vieles zu hinterfragen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war klar: eine Vollformatkamera soll es werden. Besseres Rauschverhalten, besseres Freistellen, kein Umrechnen mehr bei der Brennweite usw.
Ich habe mir viel Zeit gelassen und meine Meinung sehr oft revidiert und mich immer wieder umentschieden.
Canon 5D III, Canon 6D, Nikon D600/D610, Nikon D800, Sony A99… diese waren alle in der engeren Wahl. Hauptsache groß und schwer, damit ich mich endlich mal wie ein Profi fühlen konnte. Ich Depp… – warum es am Ende dann die A99 geworden war, kann ich nicht mal mehr sagen. Ich weiß nur noch, daß ich vor der A7 stand und mir dachte: bäh, die is viel zu klein – ich hab Männerhände und will was anständiges haben… Ich Depp.
Und dennoch – ich habe meine A99 zwar letztlich verkauft, vermisse sie aber dennoch ein wenig – denn es ist eine wirklich hervorragende Kamera!!

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Auf jeden Fall hat auch dieser Kauf einmal mehr mein Hobby neu beflügelt und nach dem Interesse der letzten Jahre eine regelrechte Begeisterung geweckt. Mein erstes richtiges Bild mit der neuen A99 und dem Tamron 24-70mm war – glaube ich – das hier (jedenfalls eines der ersten):
Marktplatz, Weinheim

Tja, und ab da… ging es – das bilde ich mir zumindest ein – stetig aufwärts. Und zum Glück macht mir mein Hobby noch immer Spaß und ich suche wohl auch noch immer nach der nächsten photographischen Herausforderung.

Bis zum nächsten Mal, also 🙂

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