Warum ich APS-C nicht mag

Nun, der Titel mag etwas ketzerisch sein und viele mögen über die nun folgenden Aussagen die Nase rümpfen, aber ich möchte an dieser Stelle einmal aufzeigen, warum ich es für sinnfrei halte, an APS-C – und im übrigen auch an mFT – festzuhalten.

Klar ist, daß kleinere Sensoren ihre Daseinsberechtigung haben und hatten – aber warum ist dem so?
Nun, sie sind kleiner. Das bedeutet, man bekommt mehr raus bei der Produktion und kann Kameras (vermeintlich) günstiger verkaufen. Zum anderen werden (vermeintlich) die Kameras kleiner, flexibler und man spart auch hier Geld, Transportkosten, Lagerhaltung, Material etc pp.
Linsen für kleinere Sensoren sind kleiner und günstiger… usw.

Ein jeder wird heute sagen: ist doch egal, denn die Bildqualität ist sowieso überall gleich.

Jein.

Es ist Fakt – und daran läßt sich nun mal aufgrund allgemein gültiger physikalischer Regeln im Universum nichts ändern – daß größere Sensoren größere Pixel ermöglichen, mehr Licht einfangen, ein höheres Freistellungspotenzial haben und somit bei entsprechender Produktgüte am Ende immer die höhere Bildqualität liefern zu einem vergleichbaren kleineren Sensor.

Dem Anwender bürdet man nebenbei die Umrechnung auf das Kleinbildformat auf (das nunmal der Standard ist), zwingt ihn aufgrund vermeintlicher Einsparmöglichkeiten zur Akzeptanz eines höheren Bildrauschens bei höheren f- bzw. t-Werten. Denn – ja – auch die Lichtstärke muß man streng genommen umrechnen.

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(Bildquelle: de.Wikipedia.org)

Wenn man die einen kleineren Sensor günstiger verkauft, kann man logischerweise, ohne mit Gegenwehr zu rechnen, die größeren um einiges teuere verkaufen – man hat also eine Schiene, die vermeintlich günstig ist – was sie aber eben nicht ist. Denn ein Unternehmen wäre relativ dusslig, wenn es nicht aus jeder sich bietenden Situation versucht, das meiste Kapital schlagen zu können.
In dem Moment, in dem Kameras mit APS-C-Sensor für 1.500 Euro pro Stück verkauft werden, kann man Kameras mit Vollformatsensor gut für das doppelte verkaufen. Schließlich ist der Sensor ja auch fast doppelt so groß.
Kameras und Objektive sind idR recht preisstabil, sofern sie einige Zeit ohne Nachfolger auf dem Markt bleiben.

Betrachtet man Einführungspreise und Endpreise kurz vor der Veröffentlichung eines Nachfolgers, darf man sich durchaus die Frage stellen: wenn jetzt noch Gewinn gemacht wird – und zwar ausreichend – warum war das Ding am Anfang so teuer?
Nun, das ist alles legitim. Und natürlich verfeinern und verbessern sich im Laufe eines Produktzyklus die Fertigungsprozesse usw. sodaß Produkte günstiger angeboten werden können bei etwa gleicher Marge.

Was aber wären, wenn man endlich nur wieder Kleinbildsensoren produzieren würde?
Je mehr man von einem Produkt herstellt, desto günstiger wird es in der Herstellung, wenn entsprechende Absätze generiert werden können.
Die Nachfrage wäre die gleiche, wenn nicht sogar höher. Zudem wäre man nicht mehr dazu gezwungen, verschiedene Produktlinien mit verschiedenen Fertigungsprozessen zu betreiben. Nun, ich bin kein Betriebswirtschaftler und auch kein Vorstand eines Kameraproduzenten – aber mir leuchten viele Dinge in bezug auf die kleinen Sensoren nicht mehr ein.
Klar, jemand der bislang nur mFT und APS-C hergestellt hat, müßte erst einmal relativ teuer umrüsten. Aber wenn der Markt ohnehin nur nach dem einen Produkt verlangt (Mittelformat und größeres lasse ich erst einmal bewußt außer Betracht), kann das kaum ein Hinderungsgrund sein. Und eine eigene Sensorentwicklung haben nur noch wenige. Teuer wird ggf nur die Entwicklung neuer Linsen und deren Etablierung, vor allem, weil das erst einmal dauert. Das ist immer so bei der Einführung eines neuen Systems.

Interessant ist doch aber, wenn man sich einmal Sony als Beispiel anschaut. Die haben zwar auch APS-C-Kameras im Sortiment – im Grunde sind das aber nur noch 2 Stück. A-Mount stirbt mittelfristig aus, da muß man sich nichts vormachen; und ansonsten sind nur die A6300 und die A5300 aktuell – der Rest läuft ebenfalls aus.
Beim Kleinbild sieht es anders aus: da werden die alten A7-Modelle als Einsteigerkameras nach wie vor produziert und finden reißenden Absatz neben den teureren Profimodellen. Die Kameras sind allesamt im Grunde genauso groß wie eine Olympus und mit Sicherheit nicht teurer in der Herstellung.
Und wenn ich mir dann anschaue, was Fujifilm und Olympus für ihre Kameras verlangen, wird mir schwindlig. Natürlich das tolle Geräte mit genialen Features etc pp – aber… mal ehrlich: sind sie das wert? Ich denke nicht. Freilich ist das oft auch eine persönliche Frage: ist sie mir das wert? Aber am Ende ist es einfach so, daß sie wissen, daß eine Vollformatkamera eben zu X Euro kostet, also können sie sich trauen bis Y Euro zu verlangen. Gäbe es (praktisch) nur noch Kleinbildkameras für die Segmente Einsteiger, Enthusiasten und Profis – so wie es früher zu Filmzeiten einmal war – könnte man sich auf die Herstellung und Entwicklung verschiedener Modelle konzentrieren, die vielleicht irgendwann einmal mehr Sinn ergeben, als es heute der Fall ist.

Und auch den Drittherstellern von Objektiven und sonstigem Zubehör wäre damit geholfen.

Heutzutage gibt es eigentlich – von Ausnahmen abgesehen – kaum noch schlechte Kameras und kaum noch schlechte Objektive. Ich meine damit WIRKLICH schlecht. Und somit ist es in meinen Augen erst recht Zeit, mit der Produktion von kleinen Sensoren (für Wechselobjektivkameras) aufzuhören.

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