Objektstudie: Bahnhof Ludwigshafen Mitte

Meine letzte Photo-Tour ist zwar schon eine Woche her, aber jetzt ist endlich Zeit vorhanden, das ganze hier zu veröffentlichen. Da die vergangenen Wochen wettertechnisch wieder im Reich der Extreme angesiedelt waren, wollte ich am vergangenen Wochenende bei den zig 30 Grad (und mehr) eigentlich gar nicht vor die Türe. Sonntags ist mir am späten Nachmittag dann aber doch die Decke auf den Kopf gefallen, und so habe ich mich (nach langem Ringen mit mir selbst) doch noch dazu entschlossen, mich auf den Weg nach „Lumpehafe“ zu machen. Bereits bei Amateur-Kollegen im Netz aber auch bei der Vorüberfahrt am Bahnhof LU Mitte war mir klar, daß ich dieses scheußlich-schöne Bauwerk einmal besichtigen möchte.

Ich bin kein Fan von Ludwigshafen, da mache ich keinen Hehl draus, ich vermeide es, dorthin zu fahren, wenn es irgendwie geht, denn Ludwigshafen ist das perfekte und perfide Beispiel des Zer- und Verfalls einer Region.

Wenn man sich überlegt, was das Ziel des Umbaus der Walzmühle und des Neubaus dieses Bahnhofs war… und wie es dort jetzt schon aussieht…Auf diesen Bildern ist der Verfall nicht wirklich zu sehen, aber drumherum spielt sich der typische Ludwigshafener Morast ab – ein Gemisch aus verrottender Architektur, Betonwüste und sozio-kultureller Dystopie-Vorschau.

Der Bahnhof entstand 20003 im Zuge des Umbaus des alten Fabrikgeländes „Walzmühle“ zum Einkaufszentrum. Früher gab es in den verlassenen Industriekomplexen noch diverse Parties (vor allem Techno) und nebendran noch einen Rockerclub – insgesamt war das Areal eher berüchtigt, als berühmt.
In Ludwigshafen ist es aber fast schon egal, was man wo wie macht, man kann sich beinahe sicher sein, daß es ohnehin vor die Hunde geht.

Ludwigshafen entstand einst aus der sog. Mannheimer Rheinschanze bzw. aus einem Handelsposten auf der ggü.-liegenden Rheinseite von Mannheim und wurde erst 1859 zur Stadt erhoben. Mannheims Schwesterstadt ist vor allem bekannt durch den Hauptsitz der BASF – das größte Chemieunternehmen der Welt wollte ursprünglich in Mannheim siedeln, Mannheim befürchtete aber einen hohen Grad an Verschmutzung und lehnte ab. Also baute man in Ludwigshafen. Den Dreck hat Mannheim dennoch geerbt.

Daß Ludwigshafen nie wirklich zu Mannheim gehörte, dürfte an den vielen Gebietsänderungen nach dem Ende der Kurpfalz liegen. Nach dem Tod des letzten bayrischen Wittelsbacher Fürsten, fiel Bayern damals an die Kurpfalz und der Mannheimer Herrscher Carl Theodor verlagerte durch die Erbfolge seinen Sitz nach München (der Legende nach nahm er dabei seinen Hofbäcker mit, der in München dann den Leberkäs erfand). Es entstand 1777 Pfalz-Baiern.
Der Handelsposten Ludwigshafen war ab da bayrisch und fiel, nachdem die Franzosen eingefallen waren, an das Landkommissariat Speyer. Mannheim wurde badisch, als die Kurpfalz aufgelöst wurde. Damals wurden durch den Wiener Kongreß die „Bundesländer“ neu geordnet und „Baden“ eigentlich erst erschaffen. Auch deshalb sehen sich fast alle heute noch eher als Kurpfälzer, denn als Badener. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kluft dann noch tiefer, als Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zwangsgebildet wurden durch die Besatzungstruppen.

So. Kommen wir nun zu den Bildern 🙂

Bahnhof Ludwigshafen Mitte

Haltestelle LU Mitte

Betonschichten

Gleis 3

Tunnelaussicht

Bend Over

Downwards

Way Down

The Sneaky House

——–

Im Einsatz waren:
Sony A7s & Sony A7 II
Sony Zeiss FE 16-35mm f/4 und Sony/Zeiss FE 55mm f/1.8

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2 Antworten zu “Objektstudie: Bahnhof Ludwigshafen Mitte

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