Welche Kamera ist die beste?

Gerade habe ich ein sehr gutes Video von Tony Northrup gesehen, das hervorragend herausarbeitet, warum es – in Teilen – erst einmal scheißegal ist, welche Kamera man benutzt.

Das Video sollte mindestens am Fernseher oder auf einem hochauflösenden Monitor betrachtet werden.

An all die Pixelpeeper unter Euch:
Es ist erst einmal völlig wurscht, welche Kamera Ihr kauft, solange Ihr von Komposition, Timing, Storytelling und all den anderen Dingen keine Ahnung habt.
Eine Kamera muß Euch gefallen, sie muß gut in Eurer Hand liegen, zu Eurem Geldbeutel passen und letztlich das machen, wozu sie da ist: Photos schießen.

So ist es erst einmal völlig unerheblich, Ihr eine Kamera von Sony, Fujifilm, Olympus, Nikon, Pentax oder Canon oder sonstwem habt. Es ist genauso irrelevant, ob diese eine Vollformatkamera ist, einen APS-C-Sensor hat oder vielleicht einen Micro-Four-Thirds-Sensor.

Es gibt aber Dinge, die dann im zweiten Schritt wichtig werden.

Kommen wir kurz zu physikalischen Fakten, die sich auch durch die größte Passion für eine Marke nicht ändern lassen.
Größere Sensoren bedeuten eine bessere Bildqualität (bei gleicher Sensor-Generation).
Eine Sony A7r III kann NIEMALS eine bessere Bildqualität abliefern, als eine aktuelle Mittelformatkamera.
Eine Fuji X-H1 kann NIEMALS eine bessere Bildqualität abliefern, als eine Sony A7 III.
Eine Olympus OM-D E-M1 Mark II kann NIEMALS eine bessere Bildqualität abliefern, als eine Fuji X-T2.

Warum ist das so?
Ganz einfach: Ein Vollformat-/Kleinbildsensor ist doppelt so groß wie ein APS-C-Sensor und ein APS-C-Sensor ist doppelt so groß wie ein mFT-Sensor.

Das bringt verschiedene physikalische Möglichkeiten mit sich. Auf einen Vollformatsensor passen mehr und großere Pixel, als auf die kleineren Sensoren und können damit mehr Licht einfangen. Bei der gleichen Sensorgeneration und der gleichen Auflösung bedeutet das, daß ein Vollformat-Sensor mit 24 Megapixeln 2x größer ist und damit 1 Blende mehr Licht aufnehmen kann. Also zB ISO 3200 ggü ISO 6400, 1/30s ggü einer 1/60s usw.
Eine Blendenöffnung von f/2.8 an einem mFT-Sensor entspricht einer Öffnung von f/4 an APS-C und f/8 am Vollformat. Eine Blende von f/2.8 an APS-C entspricht f/4 am Vollformat usw.

Man erreicht auch mit einer APS-C-Kamera in manchen Situationen die gleichen oder ähnliche Ergebnisse wie am Vollformat – aber physikalisch ist irgendwann Schluß und es geht eben nicht mehr. f/1.4 am Vollformat wird eine APS-C-Kamera eher weniger schaffen.

Das sind – langweilige – Fakten. Es ist weitaus wichtiger, eine besondere Stimmung zu kreieren. Man muß sich iÜ auch darüber bewußt sein, daß Vollformat-Objektive teurer sind, selbst, wenn die Kameras das gleiche kosten. Es muß also jeder für sich selbst entscheiden, was er tun möchte. Wer ohne Blitz und vor allem im Bereich Low Light arbeitet, der kommt irgendwann ggf um mindestens einen Vollformatsensor nicht mehr herum.
Hochauflösende Sensoren ab 24 MP ergeben ohnehin für die allermeisten keinen Sinn, denn kaum jemand von uns wird je in die Verlegenheit kommen, tonnenweise DIN A0-Prints oder sogar größeres zu machen. Aber das wollen viele partout nicht wahrhaben und kaufen sich eine arschteure Canon 5Dsr, nur um die Bilder dann bei 72dpi im Netz zu veröffentlichen. Laßt es mich ganz salopp sagen: das ist dämlich. Sorry, aber so isses. Hinzu kommt, daß solche hochauflösende Sensoren eigentlich nur mit extrem teuren Edelglas benutzt werden können, wie bspw. Sonys GMaster-Serie. Günstigere Objektive können die Megaauflösung nicht darstellen.

So. Schaut Euch das (englischsprachige) Video ergänzend an, das wirklich gut ist und hoffentlich endlich aufräumt mit so vielen Irrtümern.
UNd nun weiterhin viel Spaß beim Photographieren 🙂

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