Quo vaditis Nikon und Canon?

Der DSLR-Markt schrumpft. Der DSLM-Markt wächst. Beide Märkte haben ihre Vertreter und stehen sich derzeit kaum im Wege. Irgendwie jedenfalls. Denn Canon und Nikon verschlafen irgendwie die Zukunft der Photographie. Währen Canon, Nikon und Pentax vor allem auf klassische Spiegelreflexkameras mit ihren massiven, wuchtigen Kameras setzen, so bedienen Sony, Fujifilm und Olympus den Markt der spiegellosen Systemkameras – mit beachtlichem Erfolg. Ja, der spiegellose Markt ist noch immer deutlich kleiner, wächst aber (wieder) und unaufhörlich und gräbt den anderen drei immer weiter das Wasser ab. Daß von heute auf morgen Gesamtmarktanteile nicht einfach umgekehrt werden können, versteht sich von selbst – jedoch steht vor allem Sony im Fokus, die mit immer weiteren echten Innovationen von hinten den Markt aufrollen, während Canon und Nikon mit offenen Mündern im Off sitzen, der Show zusehen und scheinbar wie gelähmt mit ihrer langweiligen Evolution des ewig gleichen wie die Lemminge dem Abgrund entgegenkriechen.

Das war lange Tradition im Land der bildgebenden Elektronik. Langsame Entwicklung, minimaler Fortschritt. Einfach mal ein wenig die Megapixel erhöhen oder die Serienbildgeschwindigkeit, dann halten die Kunden schon die Fresse und sind zufrieden.
Tja, war wohl nix. Gerade bei Canons „neuer“ EOS 6D II sieht man das sehr deutlich. Von den Daten her ist das eine Kamera aus dem 2014, vorgestellt 2017. Ja, es soll eine Einsteiger-DSLR im Vollformat sein… das sind Sonys A7II und bald A7III aber auch. Und da hagelt es regelmäßig echte Innovation/Revolution, statt öder Evolution. Das gleiche gilt für Nikon. Da wird eine D850 vorgestellt, die ganz fraglos eine tolle Kamera ist. Aber auch hier sehen wir nur ein wenig Evolution – die ist zwar feiner und sinnvoller als bei Canon (auch eine 5D Mark IV und eine 5DSr sind total langweilige Updates, die fast niemand braucht, jedenfalls nicht so), aber es fehlt der echte Kick. Megapixel erhöht (Sony-Sensor), ein paar Features verbessert, 4K endlich eingebaut und, hurra, der Bildschirm läßt sich endlich klappen. Ganz toll. Brav.

Wer sich hingegen Sonys Produktvorstellungen ansieht, bspw. wie bei der A9, der merkt relativ schnell, warum immer mehr Photographen (Amateure, wie Profis) zu Sony wechseln. Und selbst den DSLR-Markt bedient Son nebenbei noch mit der A99 II, die in Sachen Ausstattung und Leistung die drei anderen locker übertrifft.

Canon und Nikon arbeiten angeblich nun endlich ebenfalls an spiegellosen Systemkameras. Im Falle von Canon habe ich Bedenken, daß da was brauchbares dabei rauskommt, die haben mit den ersten Gehversuchen schon bewiesen, daß sie es nicht können. Nikon will laut eigenem Bekunden voll angreifen und eine Herausforderung abliefern – wann das sein soll, weiß aber noch niemand. Man rechnet mit ersten Daten irgendwann in 2018. Nikon ist auf jeden Fall das sympatischere Unternehmen – finde ich jedenfalls – und so ein Urgestein der Photographie zu verlieren, wäre wirklich schade. Auch Canon ist eigentlich DIE Photographie-Instanz, sackt aber immer weiter ab und macht sich immer unbeliebter, vor allem bei den eigenen, bislang noch treuen Kunden.

Während also die einen drei reflexartig Kameras auf den Markt werfen, damit halt wieder welche da sind, überlegen sich die anderen drei immer neue Konzepte, entwickeln die Sensoren konsequent weiter und kümmern sich um die Kunden – sie hören ihnen zu.

Nun heißt es abwarten. Nikons erste echte Gehversuche mit einer Vollformat-DSLM erwarte ich mit großer, aber verhaltener Neugier. Canon is mir inzwischen ziemlich egal, die blamieren sich nur noch am laufenden Band.

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Canon: EOS 6D Mark II

Canon hat nun wie erwartet die EOS 6D II am Start – die Präsentation soll in ein paar Tagen sein.
Folgende Eckdaten sind bis jetzt genannt worden:

  • Resolution: 26.2MP
    Dual pixel CMOS AF
    AF point: 45 points cross type
    Continuous shooting: 6.5 fps
    Maximum ISO sensitivity: 40,000 (extended ISO: 102,400)
    Video: Full HD, 5 axis electronic image stabilization
    LCD screen: 3.0″ vary angle touch screen
    Wi-Fi, Bluetooth
    Built-in GPS
    Size: 144.0 x 110.5 x 74.8 mm
    Weight: 765 g
  • Mehr Bilder und Infos gibt es bei photorumors.com

    Meine Meinung? Nun, warum nicht gleich so? Macht einen besseren Eindruck, als die ganze 5D-Serie zusammen. Wenn man die 5er und 6er kombinieren würde, hätte man vll endlich mal wieder eine wirklich gute Kamera am Start.
    Ob die 6DII zwei Kartenslots hat, frage ich mich allerdings auch grade, konnte ich dort nix drüber lesen. Sei es drum.
    ich frage mich immer noch, warum Canon nach wie vor so erfolgreich ist…

    Edit vom 23.06.2017:

    Soll wohl so sein, daß die Kamera nur FullHD aufnimmt… also was dieser Quatsch soll…
    So kann man einer Kamera auch Steine in den Weg legen.

    Edit 2 vom 01.07.2017:
    Gute gemacht Canon. 3 Jahre alte Technik als neu verkauft… bravo. Sehr innovativ…
    Wer mal vergleichen will: http://www.dkamera.de/digitalkamera-vergleich/canon-eos-70d#sony-alpha-7-ii,nikon-d750,canon-eos-6d-mark-ii

    Sony a9 vs. Canon 1DX II vs. Nikon D5

    Heute geht es mal um den Versuch, die drei Flaggschiffe von Sony, Nikon und Canon von den reinen Zahlen her miteinander zu vergleichen. Über die Handhabung der drei Kameras kann ich freilich nichts berichten, da ich keine der drei besitze oder je benutzt habe.

    Es kann sein, daß ich einige für manche vielleicht wichtige Punkte in der tabellarischen Gegenüberstellung vergessen habe, aber das kann man dann kommentarisch hinzufügen.


    Bei den Preisen bin ich auf ziemlich viele unterschiedliche Zahlen gestoßen bei der Recherche. Zu Sonys neuer Kamera gibt es noch keinen, nur eine UVP von evtl. 5.300 Euro inkl.MwSt, die 4.500 Dollar, die bei der Präsentation gestern in New York genannt wurden, sind glaube ich immer ohne VAT (Value Added Tax = MwSt.). Bei Canon haben sich die Preise offenbar irgendwo zwischen 6.300 und 6.600 eingependelt, wohingegen es bei Nikon irgendwie extreme Preisspannen von knapp 6.x00 bis knapp 7.000 Euro gibt. Je nach Modell.

    Nicht vergessen darf man auch, daß Nikon und Canon den Batteriegriff schon integriert haben, der bei Sony jedoch optional ist und somit das Gewicht und die Größe dann natürlich erheblich verändert. Fakt ist aber auch, daß die Optionalitä von den anderen beiden erst gar nicht angeboten wird. Der Kunde hat keine Wahl.

    Aus der Aufstellung gehen Alleinstellungsmerkmale wie Sonys Blackout-freier Sucher und anderer Dinge nicht hervor, wie bpsw., daß es Sony gelungen ist, den „Rolling Shutter“ zu eliminieren.

    Nachfolgend noch einige Bilder, gefunden auf sonyrumors.co, die die Größenunterschiede der a9 zu anderen Kameras sehr schön darstellen:

    Bei camerasize.com kann man die a9 mit nahezu jeder anderen Kamera vergleichen, auch von oben. Was im Vergleich zur aktuellen A7 II-Serie auffällt ist, daß sich das Gehäuse nur minimal vergrößert hat. Die A9 ist zB genauso breit, genauso hoch und noch nicht einmal 3mm dicker.

    Ich bin SEHR gespannt auf die Nachfolger der A7-Serie, ob es diese überhaupt geben wird, oder Sony nicht einfach ne A9s und eine A9r bringen wird und daneben eventuell nur die A7 in einer Mark III weiterlaufen läßt. Ich würde es so machen 😄 Obwohl, die A9 sollte eigentlich das Flaggschiff bleiben, die A7-Reihe, aber das neue Gehäuse bekommen. Wir werden sehen.

    4 Allrounder im Vergleich: A99 II, K1, D810 und 5D IV

    Anbei eine kleine tabellarische Aufstellung von 4 Allrounder-Kameras mit Vollformat-Sensor (Kleinbild) von Sony, Pentax, Nikon und Canon.

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    Man kann, wie ich finde, ganz gut erkennen, daß sich Sonys neue A99II auf dem Papier hervorragend schlägt und mit den abgekündigten Features eigentlich sogar eine Nikon D5 oder eine Canon 1DX II antreten kann.

    Canons neuester Wurf kann mit seinen Eigenschaften zwar auch endlich punkten, liegt aber irgendwie deutlich hinter den anderen zurück – vielleicht mit Ausnahme von Nikon, deren D810 bereits ein wenig in die Jahre gekommen ist – hier lohnt ggf ein paralleler Vergleich mit der D750, die aber deutlich niedriger auflöst.
    Die Canon 5DIV wirkt als Konzept aber irgendwie halbherzig.

    Pentax punktet eindeutig über den Preis – es gibt im Netz allerdings auch bereits etliche Videos, die der Pentax bescheinigen, eine ganz hervorragende Kamera zu sein mit noch vielen (kleinen) netten Eigenschaften, die man bei der Konkurrenz vergeblich sucht. Die knapp 2.000 Euro sind für diese Kamera jedenfalls eine absolute Kampfansage an die anderen großen drei.

    Sony positioniert sein neues Flaggschiff ebenfalls weit oben – eben irgendwie zwischen den Allroundern und den High-End-Kameras. Vielleicht ist sie diesen in etlichen Punkten sogar überlegen. Man wird die Tests abwarten müssen. Es scheint aber, als sei Sony mit seiner A99II ein ziemlich großer Wurf gelungen – auch der Rest der Spec-Liste wirkt ziemlich beeindruckend und nicht zuletzt wird der BSI-Sensor wohl punkten.

    Korrektur:
    Die A99 II hat kein GPS.

    Canon stellt EOS M5 vor

    Canon hat seine neue spiegellose Systemkamera vorgestellt: die Canon EOS M5.
    Das Gerät besitzt einen APS-C-Sensor, der mit 24 MP auflöst und ISO 100 – 25600 beherrscht.
    Zum Start gibt es auch zwei neue Objektive: EF-M 18-150mm f/3.5-6.3 IS STM und das EF 70-300mm f/4.5-5.6 IS II USM

    Die neue kommt in einem überarbeiteten Design und folgt nun eher der Linie von Sony, Fuji und Olympus – also eher etwas „retro“.
    Als vollständigen An- oder Eingriff ins vielumworbene Marktsegment sieht das aber noch immer nicht aus – aber die Kamera scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

    Canon’s neuer Allrounder ist da: EOS 5D Mark IV

    Gestern hat Canon seine neue Allround-Kamera und Nachfolger seines erfolgreichsten Modells vorgestellt.

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    Die Canon EOS 5D Mark IV kommt mit folgenden Features:

  • 30,4 MP-Sensor
    4K-Video
    GPS
    61 AF-Punkte
    ISO 100–32.000; erweiterbar auf 50–102.400
    7 fps
    Digic 6+ Prozessor
    DualPixel RAW
    WiFi
  • Kosten soll das ganze (ohne Objektiv) 4.065 Euro – die Kamera kann ab sofort bei Canon vorbestellt werden.

    ——–

    Kommentar:

    Nun, überraschen tut die Kamera nicht mehr und was man nun liest, ist fraglos die einfache Evolution des Erfolgmodells 5DIII. Die Produkteigenschaften sind solide, hauen jetzt aber niemanden mehr vom Hocker – denn Sony und Nikon sind diesbezüglich schon länger mit vergleichbaren Produkten auf dem Markt aktiv. Die 5DIV wird sicherlich eine sehr gute Kamera sein, die von Canons Anhängern begeistert aufgenommen werden wird – vor allem, weil diese nun wirklich lange genug auf ein Update haben warten müssen.

    Muß man das neue Modell haben? Nun… das muß letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Es wird sich zeigen müssen, ob Canon in Sachen Dynamikumfang und High ISO den beiden größten Konkurrenten endlich das Wasser reichen kann – ansonsten werden viele wohl bei ihrem Arbeitspferd Mark III bleiben. Die 10 MP mehr sind nett, hauen aber niemand vom Hocker und sind nicht wirklich das entscheidende Kaufargument, solange man für 1.000 Euro mehr 50 MP bekommt und für 1.000 Euro weniger eben 20 MP. Man sieht, daß Canon die Kamera zwischen den beiden (Mark III und 5D(s)) platziert hat – davon abgesehen ist der Preis schon ziemlich schon ziemlich happig, wenn man sich überlegt, was man bei Sony und Nikon für so viel Kohle bekommt. Eine D810, D750 oder eine A7rII leisten gleiches oder mehr und sind deutlich günstiger zu haben. Es kann aber auch sein, daß der Preis kurzfristig noch fällt.

    Natürlich ist diese Kamera aber sinnvoll und die logische Weiterentwicklung – sie wird selbstverständlich die 5DIII verdrängen und ersetzen und erweitert Canons Portfolio nun endlich um das lang ersehnte Produkt, das eben – in Sachen Technikevolution – noch gefehlt hat.
    Bei 4.000 Euro sind allerdings wirklich ein stolzer und selbstbewußter Preis.

    Edit (28.08.2016):
    Der Preis scheint wohl bei ca. 3.500 Dollar zu landen, was noch immer relativ sportlich ist.
    Einige Dinge stoßen etlichen Anwendern jetzt schon auf:
    – es gibt schon wieder kein Klapp-Display. Dafür ist es wenigstens ein Touchscreen.
    – Aufnahmen bei 4K werden einem 1,76x Crop-Modus ausgeführt, was diesen 4K-Modus als völlig sinnlos erscheinen läßt
    – die 4K-Dateien sind nicht besonders gut komprimiert, sodaß 1 Std. in 4K satte 220 Gigabyte verschlingt. Bei der Konkurrenz sind es ca. 40 GB.

    Als besonders positiv fällt auf:
    – der AF
    – das DualPixel-RAW (hier kann man ggf in der Nachbearbeitung den Fokus leicht verschieben, was allerdings ein Feature ist, das nur mit Canons hauseigener Bearbeitungssoftware funktioniert, die niemand benutzt, weil sie ziemlich unpraktisch ist.

    Gastbeitrag: Wenn das Hobby zum Beruf wird – von Sven Pieloth

    Einen wunderschönen Samstagnachmittag wünsche ich Euch allen, werte Leser 🙂

    Heute habe ich ein kleines Schmankerl für Euch in Form eines Gastbeitrages. Der Photograph Sven Pieloth aus Worms erzählt Euch von seiner Erfahrungen als quasi frisch gebackener Profi, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat – ein Traum für viele.

    Ich habe Sven 2014 auf einem Portrait-Workshop von Besier Oehling bei der Fotomesse Worms kennengelernt – wir haben uns auf Anhieb verstanden und haben immer mal wieder Kontakt via Facebook – und daher kam ich auf den Gedanken, ihn einfach mal zu fragen, ob er nicht Interesse hätte, Euch seine persönlichen Erfahrungen, seinen Werdegang etc. zu erzählen. Ich freue mich sehr, daß er Ja gesagt!!

    Und so: hier ist die heutige Top-Story 🙂
    Viel Spaß:

    ——–

    Erst einmal vielen Dank an Sebastian für die Möglichkeit einen Gastbeitrag in seinem Blog schreiben zu dürfen. Natürlich hoffe ich darauf, dass er für Euch interessant zu lesen ist. Ich gebe mir auf jeden Fall viel Mühe.

    Ich soll etwas über mich, meinem Werdegang und meine Sicht zum Thema Fotografie und Bildbearbeitung schreiben. Na gut, dann legen wir mal los.

    Mein Name ist Sven Pieloth, bin gebürtiger und stolzer Nürnberger, geboren bin ich in dem Jahr als Tony Montana sein Imperium aufbaute und die Jedis zurück kehrten (1983). Ich arbeite als selbstständiger Fotograf mit Sitz in Worms, Rheinland-Pfalz.

    Ich denke ich fange mal ziemlich früh an etwas über mich zu erzählen. Als Kind war ich schon immer eher der „Ruhige“. Meine Mutter schwärmt mir heute noch vor wie brav ich doch als Kind gewesen sei. Ich konnte mich schon immer prima selbst beschäftigen. Soweit ich mich noch erinnern kann, fand ich Bildsprache schon immer faszinierend. Angefangen mit Zeichentrickfilmen wie – Das letzte Einhorn -, über meinen ersten Realfilm – Legende – der mir als Kind angst machte (Tim Curry als Lord of Darkness…genial!) und später auch Comics. Ich habe angefangen viel selbst zu malen und zu zeichnen. Mit der Fotografie habe ich mich natürlich auch beschäftigt.

    Ich bekam mit acht Jahren meine erste Kamera geschenkt. Das war eine weinrote Revue. Natürlich damals mit waschechten 35mm Film. Damit habe ich viel geknipst. Am meisten meine Familie, Freunde und meine mühsam in Pose gestellten Actionfiguren. Quasi meine ersten Composings. Da ich damals aber lieber gezeichnet habe und ich das Geld für die Filmentwicklung lieber in Comics gesteckt habe, kam die Fotografie viel zu kurz. Es dauerte lange bis ich mich wieder der Fotografie gewidmet habe. Mit 19 Jahren habe ich mir meine erste digitale Kompaktkamera zugelegt. Soweit ich mich erinnern kann war diese von Kodak und hatte 2,1 Millionen Bildpunkte. Nichts besonderes
    eben. Aber, ich habe damals angefangen Composings am Computer zu erstellen. Mein damaliger bester Freund hatte ein Programm zu Weihnachten geschenkt bekommen. Photo Impact hieß das. Kennt wahrscheinlich keine Sau mehr. Eigentlich war es für Composings auch nicht wirklich ausgelegt. Hauptsächlich sollte man damit einfach nur Fotos korrigieren. Wir haben es aber trotzdem bis zum Gehtnichtmehr ausgereizt. Dafür mussten auch echte Fotos her. Somit haben wir alles mögliche gebastelt und so ist meine Liebe zur Bildbearbeitung entstanden.

    Mit 21 Jahren hatte ich das rießen Glück einen Job in einem Foto-Medien-Labor in Nürnberg zu ergattern. Ich war quasi das -Mädchen-für-Alles-. Ich durfte dort alles machen. Von der chemischen Filmentwicklung in der Dunkelkammer über Bildbearbeitung mit Photoshop 7, zu dem ich gleich mehr erzählen werde, und das schießen von Bewerbungsfotos. Ich wurde, trotz fehlender Ausbildung voll mit einbezogen. Ich habe alles gezeigt bekommen und habe mir den Rest selbst beigebracht. Wie bereits erwähnt konnte ich ebenfalls Photoshop nutzen. Damals in der Version 7.
    Oh mein Gott, was hat mich dieses Programm geflasht! Die Möglichkeiten waren schier unendlich. Ich bin sogar nach der Arbeit länger da geblieben weil ich unbedingt alles ausprobieren musste was mit Photoshop alles möglich war. Seitdem bin ich mit dem Photoshop Virus infiziert. Als ich erfahren habe was dieses Programm kostet, damals die Version CS2, war ich erst mal wieder ernüchtert. Ich wollte dieses Programm aber unbedingt Zuhause nutzen. Ich habe mir also viel Geld mit der Arbeit im Labor zusammen gespart, dass ich tatsächlich irgendwann genug zusammen hatte. Photoshop Love!

    Wie man schon erkennen kann, hat im Prinzip alles mit der Bildbearbeitung angefangen. Die Fotografie war für mich eher zweckmäßig. Ich habe sie hauptsächlich für Objekte oder Texturen gebraucht. Das änderte sich allerdings, als ich meine Lehre zum Kaufmann im Einzelhandel begann. Denn, ich habe sie in einem Fotofachgeschäft in Fürth bei Nürnberg absolviert. Da musste ich mich sehr mit dem Thema Fotografie und Fototechnik aussendender setzen. Da das Geschäft ebenfalls ein Fotostudio führte, habe ich auch gleichzeitig neben meiner kaufmännischen Ausbildung, eine inoffizielle Fotografenausbildung genossen. Das hat mir das Arbeiten mit Menschen vor der Kamera näher gebracht. Das fand ich letzten Endes so interessant, dass ich mir dort meine erste DSLR zulegte. Damals eine Canon EOS 20D mitsamt 50mm/1.8 Objektiv. Damit habe ich so gut wie jeden Menschen in allen möglichen Locations porträtiert der Lust hatten vor meiner Kamera zu stehen. Ich hatte eine menge Spaß und dadurch, dass ich eine einzige Linse hatte, habe ich diese so gut kennen gelernt, dass ich sie in Kombination mit der Kamera perfekt einsetzen konnte. Ich war einfach zufrieden und habe das System Jahrelang so weiter benutzt.

    Nach meiner Ausbildung wechselte ich dann zum großen roten Elektronikfachmarkt. Leider war das für mich eine Fehlentscheidung. Das persönliche und die langen Beratungsgespräche waren nicht mehr da. Es war wie arbeiten am Fließband. Ich habe es nicht wirklich lange dort ausgehalten. Ich habe dann viele wechselnde Jobs ausgeübt um irgendwie über die Runden zu kommen. Was aber immer geblieben ist, war die Fotografie und Bildbearbeitung.

    Irgendwann stellte mir meine Frau eine essenzielle Frage. „Hast du schon mal darüber nachgedacht dich mit der Fotografie selbstständig zu machen?“ Ich musste nachdenken und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich tatsächlich schon mal darüber nachgedacht habe. Das war aber eher nur eine kleine und kurze Überlegung. Ich habe mir eine selbstständige Tätigkeit nie wirklich zugetraut. Sie bot mir ihre uneingeschränkte Unterstützung an, was ich ihr so verdammt hoch anrechne. Auch heute noch. Ich beschäftigte mich etwa eineinhalb Jahre mit dem Thema Selbstständigkeit, schrieb einen Businessplan den ich etwa hundert Mal änderte und besuchte ein Gründerseminar. Ich wollte wissen ob ich überhaupt von meinem fotografischen Können soweit war um auch damit Geld zu verdienen. Ich versuchte an Fotoaufträge zu kommen um zu sehen ob sich jemand dafür interessiert. Tatsächlich habe ich eine Menge Anfragen bekommen. Somit war es für mich der Startschuss. Und da ich sowieso schon immer das Motto verfolge – Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – habe ich
    mein Gewerbe angemeldet. Fortan war ich selbstständiger Fotograf. Und das jetzt mittlerweile seit etwas mehr als ein Jahr.

    Was bedeutet Fotografie für mich eigentlich? Hat sich jemand von Euch schon einmal diese Frage gestellt? Ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Ich mache sie einfach. Wenn ich darüber nachdenke ist es in erster Linie Spaß für mich. Ich habe einfach Spaß mit Menschen zusammen zu sein, diese so gut es geht ab zu lichten um ihnen damit eine Freude zu machen. Ich liebe die Kombination aus dem eigentlichen Fotografieren und der Bildbearbeitung bzw. Retusche danach. Das gehört für mich auch ganz klar zusammen. Ich hatte auf Facebook mal einen Satz gepostet der mir mal spontan zu dem Thema eingefallen ist: „Fotografie ohne Bildbearbeitung ist wie Vorspiel ohne Sex.“ Es ist dann einfach nicht vollendet. Ich wünsche mir, für immer die Fotografie und die Bildbearbeitung in meinem Leben behalten zu können. Denn Sie ist so vielfältig und spiegelt Gefühle wieder.
    Dabei spielt für mich das Equipment eine eher untergeordnete Rolle. Das musste ich aber auch erst feststellen. Ich bin an sich ein sehr Technisch interessierter Mensch.

    Ich hatte wie beschrieben erst eine Canon 20D. Als es mit der Selbstständigkeit los ging, holte ich mir eine Canon 70D mitsamt mehreren Objektiven, Blitzen, Lichtformer usw. Also das volle Programm. Ich dachte mir, ich muss für jede Situation ausgerüstet sein. Wenige Monate später verkaufte ich wieder die Canon Sachen, weil ich total scharf auf eine Vollformat Kamera war. Aber warum keine Canon 6D oder 5D? Ich war total angefixt von den Sony A7 Kameras. Und das sollte es dann auch werden.
    Versteht mich nicht falsch. Ich habe meine Canon Kameras und die passenden Linsen geliebt und das waren auch tolle technische Geräte. Aber ich merkte, dass ich was verändern wollte. Außerdem war da diese Neugier nach der neuen Technik. Was soll ich sagen, tolle Cam! Klasse Objektive! Dann kam aber der Punkt, an dem alles zu viel wurde. Zuviel Gerümpel das kaum Anwendung fand. Außerdem fand ich zur Available Light Fotografie. Ich liebe die Herausforderung nur mit deiner Kamera und ein bis zwei Objektive und vielleicht noch einem Reflektor los zu ziehen und das natürliche Licht zu lesen und aus zu nutzen. Somit verkaufte ich den größten Teil an Equipment wieder. Es blieb nur ein Systemblitz, ein Beauty Dish, ein Blitz-Stativ und ein Reflektor übrig. Den Blitz und den Beauty Dish nutze ich nur wenn ich speziell dafür was geplant habe oder es gerade nicht anders geht. Hauptsächlich fotografiere ich Outdoor. Ich liebe es das Umfeld mit ein zu beziehen. In Kombination mit dem natürlichen Umgebungslicht bekommt man immer tolle Stimmungen hin.

    Mittlerweile bin ich bei Nikon gelandet. Der ein oder andere denkt jetzt sicher an die D750 oder D800. Denn ich bin ja ein professioneller Fotograf. Die müssen immer mit Vollformat arbeiten. Aber da muss ich Euch leider enttäuschen. Ich habe mich bewusst wieder für eine APS-C DSLR entschieden. Ich arbeite derzeit mit einer Nikon D7200. Ich habe bereits Erfahrungen mit allen möglichen Sensoren und Kameras gesammelt. Und der Unterschied von APS-C auf Vollformat ist nicht mehr so groß wie es noch vor einigen Jahren war. Wenn ihr das mal ehrlich betrachtet, kann man bei einem Bild nur schwer sagen ob es mit einer APS-C oder einer Vollfomat Kamera aufgenommen wurde. Es gibt sicherlich berechtigte Vorteile für das Vollformat. In meinem Fall benötige ich diese aber nicht da ich mit meiner D7200 keine schlechteren Fotos mache als mit meiner Sony A7. Dazu kommt eben die größere Objektivauswahl die mir die Nikon bietet. Bei Sony war man da dann doch ein wenig eingeschränkt ohne teuren Adapter.

    Abschließend möchte ich noch ein paar Sachen erwähnen. Zum einen sollte man sich selbst immer Treu bleiben. Versucht nicht wie andere zu sein. Entwickelt euch selbst weiter. Wenn man sich umsieht, gerade auf Facebook, sehen viele Bilder einfach nur noch gleich aus. Nehmt einfach jeden Tag die Kamera in die Hand und übt. Das bringt Euch auch mehr als jeder Workshop. Und egal was man tut. Aufgeben ist nicht drin. Die Fortschritte werden früher oder später Sichtbar sein. Aber am wichtigsten ist, dass Ihr Spaß an der Sache habt.

    Ich danke jeden einzelnen für die Aufmerksamkeit und das Interesse an diesem Gastbeitrag.
    Beste Grüße und Rock on!

    Eurer Sven Pieloth aka Moreornothing-Photodesign

    ——–

    Ihr findet Sven Pieloth im Netz unter folgenden Adressen:

    Website / Blog: http://www.moreornothing-photodesign.com (noch in Arbeit)
    Facebook: http://www.facebook.com/svenpieloth.photography
    Instagram: http://www.instagram.com/moreornothing_photodesign