Quo vaditis Nikon und Canon?

Der DSLR-Markt schrumpft. Der DSLM-Markt wächst. Beide Märkte haben ihre Vertreter und stehen sich derzeit kaum im Wege. Irgendwie jedenfalls. Denn Canon und Nikon verschlafen irgendwie die Zukunft der Photographie. Währen Canon, Nikon und Pentax vor allem auf klassische Spiegelreflexkameras mit ihren massiven, wuchtigen Kameras setzen, so bedienen Sony, Fujifilm und Olympus den Markt der spiegellosen Systemkameras – mit beachtlichem Erfolg. Ja, der spiegellose Markt ist noch immer deutlich kleiner, wächst aber (wieder) und unaufhörlich und gräbt den anderen drei immer weiter das Wasser ab. Daß von heute auf morgen Gesamtmarktanteile nicht einfach umgekehrt werden können, versteht sich von selbst – jedoch steht vor allem Sony im Fokus, die mit immer weiteren echten Innovationen von hinten den Markt aufrollen, während Canon und Nikon mit offenen Mündern im Off sitzen, der Show zusehen und scheinbar wie gelähmt mit ihrer langweiligen Evolution des ewig gleichen wie die Lemminge dem Abgrund entgegenkriechen.

Das war lange Tradition im Land der bildgebenden Elektronik. Langsame Entwicklung, minimaler Fortschritt. Einfach mal ein wenig die Megapixel erhöhen oder die Serienbildgeschwindigkeit, dann halten die Kunden schon die Fresse und sind zufrieden.
Tja, war wohl nix. Gerade bei Canons „neuer“ EOS 6D II sieht man das sehr deutlich. Von den Daten her ist das eine Kamera aus dem 2014, vorgestellt 2017. Ja, es soll eine Einsteiger-DSLR im Vollformat sein… das sind Sonys A7II und bald A7III aber auch. Und da hagelt es regelmäßig echte Innovation/Revolution, statt öder Evolution. Das gleiche gilt für Nikon. Da wird eine D850 vorgestellt, die ganz fraglos eine tolle Kamera ist. Aber auch hier sehen wir nur ein wenig Evolution – die ist zwar feiner und sinnvoller als bei Canon (auch eine 5D Mark IV und eine 5DSr sind total langweilige Updates, die fast niemand braucht, jedenfalls nicht so), aber es fehlt der echte Kick. Megapixel erhöht (Sony-Sensor), ein paar Features verbessert, 4K endlich eingebaut und, hurra, der Bildschirm läßt sich endlich klappen. Ganz toll. Brav.

Wer sich hingegen Sonys Produktvorstellungen ansieht, bspw. wie bei der A9, der merkt relativ schnell, warum immer mehr Photographen (Amateure, wie Profis) zu Sony wechseln. Und selbst den DSLR-Markt bedient Son nebenbei noch mit der A99 II, die in Sachen Ausstattung und Leistung die drei anderen locker übertrifft.

Canon und Nikon arbeiten angeblich nun endlich ebenfalls an spiegellosen Systemkameras. Im Falle von Canon habe ich Bedenken, daß da was brauchbares dabei rauskommt, die haben mit den ersten Gehversuchen schon bewiesen, daß sie es nicht können. Nikon will laut eigenem Bekunden voll angreifen und eine Herausforderung abliefern – wann das sein soll, weiß aber noch niemand. Man rechnet mit ersten Daten irgendwann in 2018. Nikon ist auf jeden Fall das sympatischere Unternehmen – finde ich jedenfalls – und so ein Urgestein der Photographie zu verlieren, wäre wirklich schade. Auch Canon ist eigentlich DIE Photographie-Instanz, sackt aber immer weiter ab und macht sich immer unbeliebter, vor allem bei den eigenen, bislang noch treuen Kunden.

Während also die einen drei reflexartig Kameras auf den Markt werfen, damit halt wieder welche da sind, überlegen sich die anderen drei immer neue Konzepte, entwickeln die Sensoren konsequent weiter und kümmern sich um die Kunden – sie hören ihnen zu.

Nun heißt es abwarten. Nikons erste echte Gehversuche mit einer Vollformat-DSLM erwarte ich mit großer, aber verhaltener Neugier. Canon is mir inzwischen ziemlich egal, die blamieren sich nur noch am laufenden Band.

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Sony A9 – ein Kommentar 

Nun, da ist sie also, die Sony A9, das seit langem heißeste Gerücht und Gegenstand der wildesten Spekulationen. Man konnte eigentlich fast alles über diese Kamera lesen, von irrsinnigen Megapixelzahlen jenseits der 70 MP, über Mittelformatsensoren uvm. Jetzt, da die sagenumwobene Kamera vorgestellt worden ist, fragt sich vielleicht der eine oder andere gleich: „Mist! Wie soll ich so viel Kohle zusammenbringen?“ Daher sollte man sich eventuell erst einmal darüber im Klaren werden, an welche Käufergruppe sich diese Kamera wendet.

Die Sony A9 steht mit ihren Eckdaten in direkter Konkurrenz zu Canons und Nikons Topmodellen: EOS 1D X Mark II und D5. Die drei Kameras stellen jeweils die Flaggschiffe der Hersteller dar und sind vor allem auf Geschwindigkeit und den professionellen Einsatz in den Bereichen Sport, Natur/Wildlife, Journalismus ausgerichtet. Alle drei sind jeweils auch die teuersten Modelle im Line-up.

Was bedeutet das nun? Es ist klar, daß sich auch viele Enthusiasten nach diesem Arbeitstier die Finger lecken, mich eingeschlossen. Man sollte sich aber vielleicht, neben all der Euphorie, tatsächlich die Frage stellen: Brauche ich das denn?

Das soll nicht heißen, daß man sich als Nicht-Profi diese Kamera nicht kaufen soll, im Gegenteil!! Wer Spaß dran hat und das nötige Kleingeld besitzt, der schlage zu und erfreue sich an einer extrem guten Kamera, die eigentlich fast alles kann. Es wäre nur schade, wenn deren Hauptfunktionen (Sport, Wildlife etc.) dann nicht genutz würden. Irgendwie. Denn alle anderen Disziplinen beherrschen Sonys weitere Modelle zumindest in Teilen genauso gut. Portrait, Landschaft, Low Light, Sport sind alles Gebiete, die man einer A6500, A7, A7s II oder A7r II gut bedienen kann. Ich selbst habe ja eine A7 II, mit der ich eigentlich sehr gut zurecht komme. Klar, sie kann keine geräuschlosen Aufnahmen machen und ist evtl. im Low Light schneller an der Grenze angekommen, als meine A7s. Letztere wiederum hat „nur“ 12 MP Auflösung, die je nach Motiv und Einsatzgebiet nicht ausreichen können. Eine A7r II möchte ich gar nicht, weil mir die RAW-Dateien einfach viel, viel, viel zu groß sind und ich diese Auflösung niemals brauchen werde. Die meisten meiner Photos gibt es nur digital bei Flickr zu sehen, für große Drucke in A1 und A0 (wobei ich A0 noch nie gedruckt habe, denn wo soll ich sowas hinhängen?!) reichen die 24 MP der A7 II LOCKER aus. Im Genteil wäre mir eine A7s III mit 20 MP die allerliebste Kamera. Sport und wilde Tiere sind nicht mein Metier und Journalist bin ich auch keiner. Trotzdem hätte ich die A9 gerne, solange nix passenderes verfügbar ist. Die kann halt einfach alles. Und deswegen kostet sie auch eine Menge Geld. Leisten kann ich mir das leider nicht.

Kann die neue Wunderwaffe nun endlich an Canons Vormachtstellung kratzen? Ich glaube schon. Canon und Nikon sind viel zu behäbig und arrogant geworden. Sie bringen zwar ständig neue Kameras; diese sind aber immer nur kleine Updates ohne wirkliche Innovationen, oder sogar sinnlose Produkte, die kaum einer braucht oder will. Natürlich sind die Kameras der beiden hervorragende Arbeitsgeräte, das waren sie immer. Aber die beiden verschlafen momentan irgendwie jeden Trend oder setzen Trends nur halbherzig um. Sony hingegen hört seinen Kunden zu und setzt deren Wünsche um. Dabei wird sehr hohe Qualität abgeliefert gepaart mit innovativen Produkten, die leichter sind, kompakter und sich einfach der digitalen Realität stellen. Sony macht dabei auch immer wieder Fehler, aber nur wer wagt, gewinnt am Ende auch. Mich beeindruckt Sony. Und ich denke, die A9 hat großes Potenzial, das Interesse vieler Profis und Amateure zu wecken und sie zum Wechsel zu verleiten, und damit letzlich die Sturheit zu durchbrechen. 

Tja, wie geht es denn nun weiter? Viele spekulieren, ob Sony nun eine neue A9-Reihe über der A7-Serie startet, also z.B. eine A9s und eine A9r bringt. Möglich wäre das. Viele Anwender wünschen sich eine hochauflösende Kamera wie die A7r II mit einem Gehäuse der A9 (zwei Karten-Slots, Joystick, größerer Akku, mehr Wahlräder etc pp). Bringt Sony das nicht, dürfte das wieder für grümpfte Nasen sorgen. Die Frage ist, ob Sony die A7-Reihe mit dem neuen Gehäuse aufwertet und die A9 namentlich und preislich über allem thronen läßt, oder tatsächlich eine neue Reihe startet, was ich irgendwie komisch fände. Ich vermute, daß wir noch in diesem Jahr die Antwort darauf erhalten, denn die A7 II ist bislang am längsten auf dem Markt und steht eigentlich als erstes für ein Update an. Kann natürlich auch sein, daß Sony gleich zeigen will, daß sie an ihre Kunden denken und gleich die s- und r-Variante pimpen. Wobei ich mir vorstellen kann, daß das zeitlich gar nicht so einfach ist; und ob da dann auch „Stacked Sensoren“ drin sind, muß auch nicht sicher sein. 

Auf jeden Fall ist Sony mit der A9 in meinen Augen ein ganz großer Wurf gelungen, der das Potenzial hat, den Markt endlich spürbar und nachhaltig durchzurütteln.

Sony A7r II: Ein Kommentar

Da ist sie also, Sonys neue Wunderwaffe, die Canikon das Fürchten lehren soll. Und bin überzeugt: das wird klappen. Canikon können sich warm anziehen, denn:
– 42 MP
– beleuchteter Sensor
– 399 PDAF, der auch mit (angeblich) mit Altglas und Fremdobjektiven funktioniert
– kein Tiefpassfilter
– ISO im A7s-Bereich
– 4K-Recording intern (kann nichtmal die A7s)
– uvm
Das ist eine Kampfansage, die es in sich hat – und die auch ein stolzes Sümmchen kostet… irgendwo habe ich schon 3.500 Euro gelesen – das ist natürlich happig, aber diese Kamera ist es (im Gegensatz zu einer 5Dsr) auch wert. Auch eine 5Dsr hat natürlich ihre Daseinsberechtigung (das soll hier kein sinnloses Bashing wrden), aber die A7r II ist dieser Kamera in so vielen Dingen überlegen, und zwar massiv, daß es den Canon-Kunden inzwischen Bauchschmerzen bereiten dürfte, wenn sie eine 5Dsr-Vorbestellung getätigt haben, die vll nicht mehr storniert werden kann.

Wer sich einen Überblick über die Neuerungen per Video verschaffen möchte, dem empfehle ich das (englischsprachige) Video von Tony Northrup:

Auch Leica wurde deutlich die Show gestohlen – diese haben zeitgleich ihre neue „Q“ vorgestellt… von der irgendwie niemand mehr was wissen will. Denn monochrom geht auch mit der A7r II, in höhrer Auflösung, mit Leica-Linsen… und womöglich auch mit PDAF?

Auf Sonys Camera-Youtube-Channel gibt es einige tolle Videos zu den drei neuen Kameras.
Die Videos zur A7r II sind diese hier:

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Und hier noch drei Beispielbilder von Sony:

A7rII_x1

A7rIIx2

A7rIIx3

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Es ist erstaunlich, was Sony leistet, das muß man – wie ich finde – einfach anerkennen. Auch ich war ja früher Canon-User und Canon war mein Ein und Alles – und das obwohl ich in den 80ern auch Minolta genutzt hatte. Man die Fanboybrille einfach von der Nase nehmen und neidlos anerkennen, daß dieses sonst oft so gebeutelte Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit auf vielen Feldern vieles richtig gemacht.
Die A7-Reihe (die erste) war der Betatest – und was für einer!! Selbst da sind schon viele gewechselt und haben all ihre wertvolle Canikon-Habe verscheuert, um eine A7, A7r oder A7s zu kaufen. Sony hat auf die Kritiken zu den Kameras gehört und bei den Mark II alles richtig gemacht.
Die Videoenthusiasten warten jetzt natürlich händeringend auf die A7s II – ich nehme an, daß auch diese gegen Ende des Jahres vorgestellt werden wird.

Ich selbst nutze ja eine A99V und eine A7s – ich bin ernsthaft am überlegen, die beiden nicht zu verkaufen, um mir eine A7r II leisten zu können. Ich bin gespannt auf die ersten echten und ernst zu nehmenden Tests in freier Wildbahn. Es kann nicht lange dauern, bis die A7r II gegen die A7s und die A7 II antritt.

Besonders wertvoll finde ich Sonys humoristischen Beitrag hinsichtlich der Veröffentlichungs-Strategie: Canon legt vor und muß ein Erscheinungsdatum nennen: Mitte Juni 2015 – denn Canon hat (wenn nicht Angst), so aber sicher doch Respekt vor den kleinen, genialen Systemkameras, die eigentlich alles können, nur besser (ok, das war jetzt dick aufgetragen…) – tja und Sony… stellt die neue Kamera jetzt vor. Canon wollte vermeiden, daß noch mehr DSLR-user abspringen und wollte zeigen: schaut her, wir können auch 50 MP-Kameras bauen… so richtig gebockt hat das aber niemand… man hat schön brav abgewartet, was Sony so bringen wird. Und PADAUTZ!! Da ist sie!! Und dann war da ja noch Leica… Die haben so eine Schwarz-Weiß-Kamera für zuviel Geld vorgestellt… hmm…

Sony: das war cool 😉

Canon EOS 5Ds/R: ein Kommentar

Nun sind sie also da die beiden Megapixel-Monster von Canon mit 50 MegaPixel-Sensor.
Die beiden Kameras unterscheiden sich eig nur durch das Vorhandensein bzw. Fehlen einen Low-Pass-Filters.
Und dies macht einen Preisunterschied von 200 Euro aus. Happig.

5 Bilder/s schafft die Kamera. Beachtlich bei vermutl. 50 MB großen Dateien. Aber eine Sportkamera ist die damit nicht. Schnell ist anders.

Auch die ISO-Werte sagen uns: Konzert- oder Hochzeitsphotographie sind nicht das Metier der beiden. Jedenfalls nicht in erster Linie.

Also, für wen sind die Kameras gedacht? Nun, für Studio- und Landschaftsphotographen.

Warum zwei Kameras?
Keine Ahnung. Ist in meinen Augen kompletter Schwachsinn. Nikon hat das gemacht und es dann sein lassen (D800 und D800E). Und bei dieser Pixeldichte braucht man den Filter eh nicht mehr.

Die wohl noch kommende 5D Mark IV wird, denke ich, weniger Megapixel auf die Waage bringen, eine höhere Bildrate haben, wieder mehr Videofeatures besitzen und einfach der echte Mark III-Nachfolger werden, denn die Mark III ist eine hervorragende Alleskönnerin und definitiv eine der besten Kameras auf dem Markt.
Wer eine 5D Mark III hat… der braucht in meinen Augen keine 5Ds/R.

Und was bitte soll das mit dem Medium- und Small-RAW…? Genau, ich kaufe mir eine schweineteure DSLR mit 50MP und schrumpfe dann die Bildgröße, damit ich weniger Details bekomme… ergibt Sinn, jaja…
Es soll in manchen Situationen mit bestimmten Linsen helfen… Nun ja.

Kein Wi-Fi, kein GPS… kein 60p, kein 4K… kein Touch Screen…
Schwach für 3.600 Euro.

Und dann die Linse, die sie dazu bewerben… 11-24mm f/4. Paßt für Landschaften und andere Dinge und ist wohl auf die Kamera zugeschnitten. Und bei dem Winkel braucht man auch nicht zwingend f/2.8, auch wenn es besser wäre.
Aber 3000 Euro??!! Geht’s noch??!!

Also da mache ich Landschaften lieber mit einer Sony A7r oder einer Nikon D810 und den dazu gehörigen Objektiven von Nikon oder Zeiss und hab noch n Haufen Geld übrig. Denn Canons neue mit der Linse kostet ca. 6.500 Euro. Sorry, aber… never ever.

Und wo wir wchon dabei sind: eine 750D und eine 760D? Die Idee ist locker genauso blöd.

Und die „Kampfansage“ an den spiegellosen Systemmarkt mit der M3 war wohl als Karnevalsjux gedacht.

Canon, Canon, Canon… da muß ich echt mit dem Kopf schütteln.

So. Genug geschimpft. Denn die EOS 5Ds/R wird mit Sicherheit eine tolle Kamera. 50 MP sind klasse, neue Technologien bei der Spiegelvorauslösung etc pp… Letztlich muß jeder für sich selbst entscheiden, ob er eine solche Kamera möchte und was er damit machen kann oder will.
Aber: das Ding wurde meiner Meinung nach nicht zuende gedacht.