Portrait auf der Brücke

Die Theodor-Heuss-Brücke von Mannheim-Sandhofen nach Ludwigshafen ist eine super Location.
Leider war es gestern ein wenig früh, und zum anderen wirklich sehr weit zu laufen, da man außerhalb parken muß aufgrund des umliegenden Naturschutzgebietes – mit dem Fahrrad kommt man aber direkt hin.

Auf der Brücke

Weitere Aufnahmen findet Ihr in der sfp-Photo-Galerie auf meiner Flickr-Seite:

https://www.facebook.com/sfischerphoto/
https://www.facebook.com/sfischerphoto/photos/?tab=album&album_id=1598748160376537

Werbeanzeigen

Objektstudie: Bahnhof Ludwigshafen Mitte

Meine letzte Photo-Tour ist zwar schon eine Woche her, aber jetzt ist endlich Zeit vorhanden, das ganze hier zu veröffentlichen. Da die vergangenen Wochen wettertechnisch wieder im Reich der Extreme angesiedelt waren, wollte ich am vergangenen Wochenende bei den zig 30 Grad (und mehr) eigentlich gar nicht vor die Türe. Sonntags ist mir am späten Nachmittag dann aber doch die Decke auf den Kopf gefallen, und so habe ich mich (nach langem Ringen mit mir selbst) doch noch dazu entschlossen, mich auf den Weg nach „Lumpehafe“ zu machen. Bereits bei Amateur-Kollegen im Netz aber auch bei der Vorüberfahrt am Bahnhof LU Mitte war mir klar, daß ich dieses scheußlich-schöne Bauwerk einmal besichtigen möchte.

Ich bin kein Fan von Ludwigshafen, da mache ich keinen Hehl draus, ich vermeide es, dorthin zu fahren, wenn es irgendwie geht, denn Ludwigshafen ist das perfekte und perfide Beispiel des Zer- und Verfalls einer Region.

Wenn man sich überlegt, was das Ziel des Umbaus der Walzmühle und des Neubaus dieses Bahnhofs war… und wie es dort jetzt schon aussieht…Auf diesen Bildern ist der Verfall nicht wirklich zu sehen, aber drumherum spielt sich der typische Ludwigshafener Morast ab – ein Gemisch aus verrottender Architektur, Betonwüste und sozio-kultureller Dystopie-Vorschau.

Der Bahnhof entstand 20003 im Zuge des Umbaus des alten Fabrikgeländes „Walzmühle“ zum Einkaufszentrum. Früher gab es in den verlassenen Industriekomplexen noch diverse Parties (vor allem Techno) und nebendran noch einen Rockerclub – insgesamt war das Areal eher berüchtigt, als berühmt.
In Ludwigshafen ist es aber fast schon egal, was man wo wie macht, man kann sich beinahe sicher sein, daß es ohnehin vor die Hunde geht.

Ludwigshafen entstand einst aus der sog. Mannheimer Rheinschanze bzw. aus einem Handelsposten auf der ggü.-liegenden Rheinseite von Mannheim und wurde erst 1859 zur Stadt erhoben. Mannheims Schwesterstadt ist vor allem bekannt durch den Hauptsitz der BASF – das größte Chemieunternehmen der Welt wollte ursprünglich in Mannheim siedeln, Mannheim befürchtete aber einen hohen Grad an Verschmutzung und lehnte ab. Also baute man in Ludwigshafen. Den Dreck hat Mannheim dennoch geerbt.

Daß Ludwigshafen nie wirklich zu Mannheim gehörte, dürfte an den vielen Gebietsänderungen nach dem Ende der Kurpfalz liegen. Nach dem Tod des letzten bayrischen Wittelsbacher Fürsten, fiel Bayern damals an die Kurpfalz und der Mannheimer Herrscher Carl Theodor verlagerte durch die Erbfolge seinen Sitz nach München (der Legende nach nahm er dabei seinen Hofbäcker mit, der in München dann den Leberkäs erfand). Es entstand 1777 Pfalz-Baiern.
Der Handelsposten Ludwigshafen war ab da bayrisch und fiel, nachdem die Franzosen eingefallen waren, an das Landkommissariat Speyer. Mannheim wurde badisch, als die Kurpfalz aufgelöst wurde. Damals wurden durch den Wiener Kongreß die „Bundesländer“ neu geordnet und „Baden“ eigentlich erst erschaffen. Auch deshalb sehen sich fast alle heute noch eher als Kurpfälzer, denn als Badener. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kluft dann noch tiefer, als Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zwangsgebildet wurden durch die Besatzungstruppen.

So. Kommen wir nun zu den Bildern 🙂

Bahnhof Ludwigshafen Mitte

Haltestelle LU Mitte

Betonschichten

Gleis 3

Tunnelaussicht

Bend Over

Downwards

Way Down

The Sneaky House

——–

Im Einsatz waren:
Sony A7s & Sony A7 II
Sony Zeiss FE 16-35mm f/4 und Sony/Zeiss FE 55mm f/1.8

Studie des Häßlichen: Ludwigshafen „An der Froschlache“

Diese vier Häuser im Stadtteil Friesenheim (bei Oggersheim) in Ludwigshafen haben mich schon seit längerem gereizt; und heute hat auch das Wetter zu diesem Motiv gepaßt.

Ähnlich wie die Neckarufer Nord-Bebauung oder das Collini-Center in Mannheim, sind diese Gebäude ein ekelhaftes Zeugnis „moderner“ Architektur und dessen, wie es dem Menschen – und vor allem uns Deutschen – scheißegal ist, wie all der häßliche Rotz aussieht, den wir in die Landschaft pflastern, um der Zweckdienlichkeit zu huldigen.

Eins waren wir das Volk der Dichter & Denker, Schöpfer unvergleichlicher Schönheit und dafür berühmt, geachtet und bewundert in der ganzen Welt.

Heute haben wir das hier:
Betonwanderung

und das hier:
Betonkalypse

Schnörkel, Finesse und Wohlbefinden sind seit den Kriegsjahren nur noch hinderliches Beiwerk, das ablenkt von den stupiden Pflichten, die vor uns liegen. Eines der reichsten Länder der Welt – so behauptet man allerorten – schafft es nicht, zu altem Glanz zurück zu finden. Das ist ineffizient. Ist doch egal, wie es aussieht… Hauptsache, es hält.

Ludwigshafen (oder „Lumpehafe“, wie es auf der anderen Rheinseite gern genannt wird) hat es im Krieg noch mehr erschüttert, als die Schwesterstadt Mannheim – und dort hat man sich in den letzten 70 Jahren noch schlimmer an allem vergangen, als in der ehemaligen Residenzstadt der Kurpfalz (aus deren „Rheinschanze“ Ludwigshafen einst entstanden war). Die bestimmt schlimmste Betonwüste der Pfalz geht immer weiter unter, verfällt, verrottet, verwahrlost, vergammelt und stumpft immer weiter ab. Sinnbild des kulturellen Untergangs einer Nation. Irgendwie…

Ein Nachmittag in Ludwigshafen

Ja, ich habe es getan… ich war freiwillig in Ludwigshafen am Rhein und habe nach Motiven Ausschau gehalten. Die Stadt hat diesbezüglich nicht wirklich viel zu bieten, aber wenn man sich Zeit läßt (und das ist durchaus eine Herausforderung, denn aus dieser Betonwüste will man eigentlich nur schnell wieder raus), dann kann man Ludwigshafens Kern entdecken. Und wer jetzt davon ausgeht, ich würde noch etwas gutes über diese Stadt sagen, der irrt.

Ja, ich mag Ludwigshafen nicht. Es ist eine häßliche, stinkende, verrottende Einöde, in der sich eine Bausünde an die nächste reiht und in der ich lange laufen muß, um meine eigene Sprache zu hören. Alleine in der „Einkaufsmeile“ Bismarckstraße stehen gefühlt 50% der Läden leer und sehen aus wie ausgebrannt. Der klägliche Rest wird bevölkert von Handyläden und Trödel aus dem osmanischen Reich oder sonstwo aus dem Südosten.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: auch die deutsche indigene Fauna wirkt mehr als nur fragwürdig.

Mir tun die Menschen leid, die dort wohnen und arbeiten müssen. Ludwigshafen gehört zu den häßlichsten Städten, die ich jemals gesehen habe – zu diesen gehören übrigens aus Viernheim, Worms und Hockenheim – wer sich einmal das pure Elend an Tristesse antun will: dort wird man fündig.

Dennoch gab es zwei Momente, die es wert waren, festgehalten zu werden und die meinen kurzen Ausflug in die Vorhölle nicht völlig sinnlos gemacht haben:

Spätzünder

Light

Und hier noch drei Aufnahmen, die es nicht auf Flickr geschafft haben:

DSC04345

DSC04351

DSC04377

——–

Als Equipment kamen zum Einsatz:
Sony A7s
Sony/Zeiss FE 16-35mm f/4
Minolta Rokkor MD 45mm f/2