Minolta AF 80-200mm f/2.8 APO G HS („Weißer Riese“) – Erfahrungsbericht

Dieser Erfahrungsbericht kommt spät – ist aber deshalb hoffentlich einigermaßen fundiert. Das Minolta AF 80-200mm war (seit ich damals meine A99 gekauft hatte) schon länger ein kleiner Traum und vor nicht ganz 2 Jahren habe ich es mir dann zu einem Gebrauchtpreis von EUR 750,- gegönnt – leisten konnte ich es mir nicht direkt… aber was soll’s…
Neue Objektive vergleichbarer Qualität kosten gut und gerne zwischen 2.500 und 3.000 Euro.

70200G

Das Objektiv wurde ab 1993 gebaut und war eines der ersten echten AF-Profi-Zooms von Minolta, wenn ich mich nicht irre. Der Vor-Vorgänger war das AF 70-210mm f/4 (das so- „Ofenrohr“), der direkte Nachfolger war das 70-200mm f/2.8, das im Grunde bis heute von Sony so gebaut wird (heute ist es das SSM II).
Das 70-210mm war ein gutes Objektiv, allerdings hatte es kein besonders schönes Bokeh und hatte ziemlich mit chromatischen Aberrationen zu kämpfen – in kontrollierten Situationen aber war es herausragend.
Das weiße 80-200mm hatte einen direkten Vorgänger von 1987 in schwarzer Farbe mit langsameren Fokus. Das „HS“ beim weißen Riesen steht für „High Speed“, und der Fokus ist in der Tat extrem schnell und hämmert durch den Stangenantrieb rein wie Anker bei Vollgas.
An der Seite des Objektivs hilft ein „Focus Hold Button“ beim fokussieren und komponieren.

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Um die wenigen Nachteile gleich vorweg zu nehmen:
– es ist laut
– das Front-Element dreht sich beim fokussieren
– minimale Fokusdistanz: 1,8 Meter
– nicht spritzwassergeschützt
– schwer
– die Streulichtblende

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Es können Filter mit 72mm angebracht werden – der Polfilter ist durch das sich drehende vordere Glaselement leider irgendwie nutzlos…
Das Objektiv ist gebaut wie ein Panzer und auch genauso schwer; ich glaube, es wiegt irgendwas um die 1,3 kg.

Die Bildqualität ist, was die Schärfe anbelangt, absolut überragend – vor allem bei der sehr wichtigen Offenblende von f/2.8.
In puncto Farbwiedergabe und Kontrast ist es allerdings heutigen Top-Linsen deutlich unterlegen – mit einer RAW-Aufnahme bekommt man aber sehr viel aus den geschossenen Photos raus.

Betonkalypse

Walking in the Woods

Ich betreibe das Objektiv (da die A99 nicht mehr da ist) inzwischen mittels LA-EA4-Adapter hauptsächlich an der Sony A7 II, da mir dort der (stromfressende) Bildstabilisator zu Nutzen kommt, denn das Objektiv selbst ist natürlich aufgrund seines Alters intern nicht stabilisiert.

An der A99 war es irgendwann kaum noch auszuhalten, diese Kombi lange zu tragen – und auch an der A7 II merke ich es irgendwann deutlich. Das massive Gewicht ist sicher auch ein gewisser Nachteil, aber ich empfinde es als gerade noch akzeptabel in Anbetracht der Qualität dieser Linse.

Das Objektiv hat freilich eine eigene Stativschelle und auch einen frei beweglichen Ring, um das Objektiv samt Kamera zu drehen. Der Ring/die Schelle läßt sich allerdings nicht abnehmen. Einen Wetterschutz gibt es auch nicht – dessen Fehlen sich bei mir aber auch noch nie negativ bemerkbar gemacht hat. Bis jetzt.
Beim zoomen dreht sich der ggf angebrachte Filter übrigens nicht – das Objektiv ist nicht wirklich innenfokussiert, es fährt leicht aus. Beim zoomen ändert sich die Größe aber nicht.

Die Streulichtblende ist leider – obwohl aus Metall und innen schön matt schwarz beschichtet – eine Katastrophe. Nicht genug damit, daß es keine Markierungen zum Anbringen des fummeligen Dings gibt, nein, das fummelige Dings löst sich auch gerne mal einfach ab. Es kann seine Zeit dauern, bis man das Teil auf das Objektiv bekommt – steckt man die Kamera samt Linse dann in eine Tasche, kann es schonmal passieren, daß sie ohne Blende wieder rauskommt. Sie rastet also nicht ein.

Twin Walk

Frida & Timo

Das Bokeh des Objektivs empfinde ich persönlich als wunderschön und butterweich.

Mooslandschaft

Bei der einen Hochzeit, die ich bislang photographiert habe und bei den Aufnahmen in der Stadtbibliothek ist mir der laute Fokus sehr unangenehm aufgefallen. An besonders ruhigen Orten kommt man um das manuelle fokussieren nicht herum. Der Zoomring (liegt hinten) ist angenehm groß und betätigt sich auch angenehm schwer; der Fokusring sitzt vorne und ist ebenfalls schwergängig, aber leicht genug, allerdings vielleicht für Filmer nicht geeignet, da die Drehung doch recht knapp ist. Das kann ich aber nicht wirklich beurteilen, weil ich nie filme…

The Reader

Graffiti-Mädchen I

Alles in allem – auch wenn mich vor allem die geringe Fokusdistanz und der Geräuschpegel stören – bin ich in diesen weißen Klotz richtig verliebt. Ich habe zwar schon das eine oder andere Mal darüber nachgedacht, das Objektiv zu verkaufen und das Geld in ein FE 70-200mm f/4 zu investieren, kann mich aber von diesem „kleinen“ Prachtstück nicht trennen. Solange die neuen und modernen Objektive so abartig teuer sind (vor allem auch das neue G Master – das ja auch über 3.000 Euro kosten soll) und Sigma/Tamron & Co sich nicht trauen, endlich FE-Objektive zu bauen, bleibt dieses Baby in meiner Tasche und liefert schön scharfe Aufnahmen.
Auch das 70-210mm werde ich – vor allem als Backup – behalten. Es ist in keiner Hinsicht auch nur annähernd so gut wie das 80-200mm, besitzt aber auch seine Qualitäten.

Maison Kammerzell & Staßburger Münster

Wer also auf der Suche nach einer „preisgünstigen“ Alternative zu den neuen teuren Modellen ist, dem kann ich dieses Teil nur wärmstens empfehlen, solange man nicht auf absolute Stille angewiesen ist. Bei eBay sollte man allerdings erst gar nicht anfangen zu suchen – dort bieten nur fadenscheinige Händler und Preistreiber ihre Ware an; dieses Objektiv kauft man sich am besten über Kontakte in Online-Foren. Die Preise dürften, je nach Zustand, zwischen 600 und 1.000 variieren, wobei 1.000 Euro in meinen Augen schon zuviel sind.

Zum Abschluß noch einige Aufnahmen meiner beiden Telezooms.

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Minolta AF 80-200mm f/2.8 APO G HS:

Banana Waves

Schwarzwald

Planken

Mann & Ente

Rapsodie in Gelb

Burg Windeck im Nebel

Burg Hohenzollern

Fasan

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Minolta AF 70-210mm f/4:

Brückenrad

Martin

Spooky Wanderer

Eichhörnchen

abstellen und anschließen

Roofwalker

Wildschwein

Lotus Elan S2

Kläranlage

Spiel-Platz

Heiliggeistkirche Heidelberg

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Odenwald: der Winter naht

Das war heute ein magischer Morgen. Eigentlich wollte ich im Bett bleiben, denn gestern wurde ich ganztägig von massiver Migräne übermannt und konnte keine Photos schießen. Um ca. 4:30 war die Nacht schon vorbei und ich döste vor mich hin, in Gedanken bei meiner Kamera und der Natur des Odenwaldes. Hin- und hergerissen zwischen Erholung, Schlaf, Faulenzia und dem inneren Drang, habe ich mich dann gegen halb 8 doch überwunden.

Der erste Schritt nach draußen: uuh, frisch. Das also war des Pudels Kern: mal wieder krasser Temperaturwechsel. 0 Grad. Die Woche über waren es ja noch immer bald 20 Grad. Aber wir haben kein Klimaproblem, nein nein.

Der erste Blick gen Windeck – Wettercheck. Überraschung und Freude gleichermaßen: schöne Wolkenstrukturen und Farben. Paßt.

Also rein ins Auto und ab gen Odenwald. Die Strecke führte mich durch das Gorxheimertal über Trösel und Abtsteinach. Dort tat sich dann das erste Motiv auf:

Spots in the Blue

Das war in der Tat so unglaublich schön, wie es hier aussieht. Der erste Frost, der erste Schnee… die blaue Stunde… das alles tauchte die Landschaft in die schönsten Farben und ich kam mir vor wie in einem Märchen.

Anschließend ging es durch Abtsteinach in Richtung Heiligkreuzsteinach. Die Dörfer selbst sind – von einigen einzelnen Häusern einmal abgesehen, ja alle relativ häßlich; aber die Strecken dazwischen sind malerisch:

Waldweg im Winter

Überall an den Waldstraßen gibt es kleine Haltebuchten, die es einem erlauben, immer wieder zu stoppen ohne dann gleich ewige Wege gehen zu müssen. Kann man aber auch, wenn man will, denn allüberall führen Wander- und Nutzwege in den Wald hinein.

Eisschneise

An der Hirschquelle zwischen Heiligkreuzsteinach und Heddesbach war es besonders schön, von dort gab es eine abschüssige Stelle, die vollständig vernebelt war, und anschließend konnte man hinter den Wolken den Sonnenaufgang erahnen.

Tannen am Morgen

Winternadeln

Weiter wollte ich dann aber nicht mehr fahren, obwohl es mich schon reizte, noch zur Wolfschlucht in Zwingenberg zu reisen – aber die Bilder wollten auch noch bearbeitet und der Sonntag auf der Couch genossen werden 😉

Weitere Aufnahmen sind – wie immer – im dazugehörigen Album bei Flickr zu sehen.

Folgendes Equipment wurde auf dieser Tour benutzt:
Sony A7s
Sony/Zeiss FE 16-35mm f/4
Minolta MD ROKKOR 45mm f/2
Minolta AF 70-210mm f/4 „Ofenrohr“