Drucktest: Fotoheft von Saal-Digital

Hallo liebe Leser,

einmal mehr habe – nach den vergangenen Drucktests von Fotobuch und Wandbilder – ein Produkt von SaalDigital getestet: Das Fotoheft.

Das zu den anderen beiden Tests gesagte hinsichtlich der Software, gilt hier entsprechend, sodaß hiermit auf die o. g. genannten Artikel verwiesen sei.
Entscheidend war also nur noch die Druckqualität, und diese war – wie immer bis jetzt – einmal mehr überragend. Das Fotoheft wird mit Spiralbindung geliefert, das Cover erhält eine durchsichtige Kunststoffabdeckung. Das Papier (bei mir matt) ist schön dick und griffig und die Farben etc. kommen ganz wunderbar zur Geltung. Ich habe mich für eine quadratische Ausführung entschieden – wollte mal ein anderes Format ausprobieren und wurde nicht enttäuscht. Nach etwas Rumspielerei mit der Software (die sich wirklich wie ein kleines Layoutprogramm bedienen läßt) und dem Versuch, mal etwas kreativer bei der Gestaltung zu sein, bin ich mit dem Gesamtergebnis extrem zufrieden.

Inzwischen wurden auch die Seitenverhältnisse bei der Formatauswahl in der Software hinzugefügt – sehr gut!!
Insgesamt finde ich persönlich das Fotoheft sogar schöner und haptisch angenehmer als das Fotobuch – ist Geschmacksache. Hier werde ich sicher noch einmal noch einmal andere Formate, Größen und Umfänge anfertigen lassen. Wenn man sich die Bücher lieber ins Regal stellt, ist es natürlich besser, den Buchrücken beschriften zu können – solche Heftbindungen eignen sich dagegen besonders gut als „Auslegeware“ und lassen sich leichter blättern. Doppelseiten sehen natürlich nicht so gut aus – so hat jedes Format seine Vor- und Nachteile.

Fazit:
Saal-Digital hat einmal mehr seine überragende Qualität unter Beweis gestellt – und zudem auch noch extrem flott geliefert. Das gute Stück war nach nur einem Tag bei mir. Eins plus mit Stern.

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Drucktest – Whitewall vs. myposter.de: im Detail – mit einer Prise PosterXXL

Nach einigen kleineren Vorberichten, kommt nun heute der ausführlichere Bericht über die beiden Druckdienste Whitewall und myposter.de – man sehe es mir bitte nach, daß ich nicht auch noch andere mit einbezogen habe, wie bspw. PosterXXL, denn schließlich drucken diese Unternehmen für mich nicht kostenlos, nur weil ich im Netz über sie schreibe. Ich habe aber vor, auch PosterXXL (zu denen inzwischen Posterjack dazugehört) einmal auszuprobieren und werde dann ggf hier schreiben, wie es sich im Vergleich zu den anderen zwei verhält. Bezüglich der allgemeinen Dinge werde ich PosterXXL mal mit einbeziehen. (–> während des Schreibens habe ich mich dazu entschlossen, PosterXXL testen – s.u. 😀 )

Bislang hatte ich vor allem bei myposter.de drucken lassen, da mich deren Formatvielfalt überzeugte.
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Hier ziehen andere inzwischen nach – wichtig zu wissen ist vor allem, daß es besonders bedeutsam ist, ob diese ganzen Druckformate auch gerahmt bestellt werden können, und das scheint bei den beiden Testkandidaten – jedenfalls zum Teil – der Fall zu sein.

Die Homepage von myposter gewinnt keinen Schönheitspreis, man kann aber auch in Eleganz sterben; die Seite erfüllt ihren Zweck und zeigt dem Kunden auf Anhieb alles, was er an Informationen benötigt. So muß das sein und so ist es gut.
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Die Homepage von Whitewall wirkt aufgeräumter und hübscher. Nicht alle Formate sind für alle angebotenen Rahmen verfügbar.
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Die Preise sind stramm bis OK und bei beiden idR vergleichbar.
myposter erkennt beim Hochladen, ob das Photo hochkant oder quer vorliegt; bei Whitewall muß man das gesondert angeben. Ansonsten funktioniert der Bestellvorgang sehr ähnlich und komfortabel, bei myposter jedoch besser.

PosterXXL schreit einen mit der Homepage irgendwie an, finde ich. Die Seite wirkt aber gleichsam aufgeräumt.

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Auch dort gibt es AluDibonds, gerahmte Bilder, Posterdruck etc pp, man kann das Format aber nicht vorab wählen, man lädt erst das Bild hoch. Auf der Startseite gibt es lediglich Beispielpreise, näheres erfährt man während des Bestellvorgangs. Es wird ein Passepartout standardmäßig ausgewählt (macht myposter auch so); erst wenn ich auf „Bild bearbeiten“ klicke, kann ich mein Bildformat ändern. Das ist umständlich. Habe ich das getan, ist der Passepartout nicht mehr ausgewählt, dieses muß ich mir wieder extra anwählen.

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Preisvergleich:
Gerahmtes Photos mit Holzrahmen, Passepartout in weiß im Format 45x30cm
Bei Whitewall finde ich hier nur „Artbox aus Massivholz“ – ein Holzrahmen; den Passepartout kann man als „Rand“ selbst wählen inkl. Größe (finde ich ok und kundenfreundlich, aber auch irgendwie seltsam, wahrscheinlich, weil es ungewohnt ist).

myposter.de: EUR 42,49
Whitewall: EUR 57,95
PosterXXL: EUR 43,99

PosterXXL habe ich jetzt (während des Schreibens) direkt mal getestet und eine Bestellung aufgegeben. Während des Bestellvorgangs kann man noch Schrauben und Dübel bestellen (riecht mal wieder nach Selbstmontage der Aufhängung), Handschuhe, Reiniger, Mikrofasertuch…
Voraussichtliche Lieferung: 22.04.2016 bis 26.04.2016 – also das ist mal krass… da liegen die anderen Welten vornedran; die Bilder bei myposter und Whitewall bekomme ich binnen einiger Tage. Verpackung und Standardversand kosten 10 Euro, wie beim Rest auch. Ich liege mit meiner Bestellung nun bei 54 Euro. Das ist schon Geld.
Größe: 45,00 x 30,00 cm
Rahmen: Holzrahmen glatt, schwarz
Rahmengröße: 55,80 x 40,80 cm
Passepartout: Reinweiß, 3 cm
Glas: Anti-Reflex Acrylglas

Für die Bezahlung mittels Rechnung, Kreditkarte oder Überweisung verlangt man bei XXL nochmal 1 Euro… es geht auch via AmazonPayments und PayPal.
Ich bin gespannt.

Insgesamt gefällt mir der Bestellvorgang und die Bearbeitung des Bildes bei myposter am besten. Whitewall und XXL sind jetzt keine Bücher mit sieben Siegeln, gestalten sich aber, wenn nicht komplex, so dann aber umständlicher als myposter. PayPal etc können sie alle.

Im Falle von myposter und Whitewall habe ich zuletzt einen hochwertigen AluDibond bestellt (ca. DIN A2); Whitewall druckte in Farbe, myposter in schwarz-weiß/brushed (war meine Wahl), wobei weiß freigelassen wurde, sodaß das Alu an diesen Stellen die Darstellung übernimmt. Beide Produkte waren sehr hochwertig, mir gefällt die Variante von Whitewall deutlich besser. Es liegt ein Zertifikat bei und die Alu-Wandschienen sind bereits vormontiert. Bei myposter wurde einmal die falsche Wandhängung geliefert und zum anderen mußte ich diese selbst am Bild anbringen (übrigens auch bei den Postern im Holzrahmen). Ich habe beides beim Service von mypopster telefonisch bemängelt – ich wurde sehr höflich und zuvorkommend bedient und behandelt – myposter überläßt es lieber dem Kunden, wie er sein Bild aufhängen will und mit wie vielen Klammern etc.
Ich finde das sehr unglücklich – hier sollte man beim Bestellvorgang die Wahl haben, ob man das Bild in entsprechenden Varianten mit einer bereits montierten Wandhängung geliefert bekommen möchte oder ohne. Das wäre mir auch noch einmal ein oder zwei Euro wert.

Das von mir bei myposter bestellte große Poster in 90×60 war in seiner Qualität sehr gut. Beim Aludibond fehlte auf der Rückseite eine Schutzfolie, die angeblich laut Montageanleitung drauf sein sollte. Und am rechten unteren Rand des Dibonds war noch ein Fetzen vom Schnitt übrig. Das sind freilich keine Aufreger, fallen aber auf.

Die Lieferzeiten bei myposter und Whitewall sind gut; Whitewall war am schnellsten – ulkigerweise dauerte das Großformatposter bei myposter deutlich länger, als der später bestellte Dibond (s. vorherige Blogbeiträge).

Letzten Endes bin ich mit beiden sehr zufrieden; vielleicht werde ich auch bei Whitewall mal ein gerahmtes Poster bestellen – es interessiert mich schon, wie hier die Rahmenqualität etc ist. Allerdings scheint Whitewall von den drei hier vorgestellten der teuerste Anbieter zu sein.

Günstig kann man die Bestellung eines Drucks mit Rahmen oder eines DiBonds nicht gerade bezeichnen. Die Dibonds haben jeweils inkl. aller Leistungen über 70 Euro gekostet, das gerahmte Großformatposter sogar über 80 Euro. Aber: da hat man was in der Hand und die Qualität stimmt. Und das kostet nunmal was… das Poster hinter dem Glas ist dabei noch günstigste.

12 Megapixel im Großformat drucken – der Test: das Bild ist da

Hallo alle zusammen,

wie zuvor bereits angekündigt habe ich mir eines meiner Photos, das ich mit der Sony A7s geschossen habe, auf ca. A1 (90×60 cm im Bildformat 3:2) ausdrucken lassen.

Es geht um dieses Photo hier:
The Wanderer

Den Druck habe ich via myposter.de realisiert. Das Poster kam in einem Holzrahmen – die notwendige Aufhängung war leider nicht vormontiert – das mußte ich selbst erledigen. Es lagen lediglich die Klammern und die Schrauben dabei. Ich habe diesbezüglich den (sehr freundlichen) Service von myposter angerufen, der mir erklärte, man wolle es dem Kunden überlassen, wie viele der Klammern an welche Stellen montiert werden. Ich finde das grundsätzlich ok, aber auch etwas unglücklich. Es dürfte klar sein, daß man bei einem derart großen Bild quer zwei Montageklammern benötigt und hochkant nur eine. Sei es drum – das Bild hängt jetzt.

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Zum eigentlichen Thema:
Genügen 12 Megapixel für einen Druck dieser Größe?

Meine Datei habe ich in Adobe Lightroom entwickelt und als JPEG mit 300 DPI exportiert. Die 12 Megapixel ergeben im Falle der Sony A7s eine Auflösung von 4240 x 2832 Pixeln. Bei 300 DPI ergibt das eine Druckgröße von ca. 36 x 24 cm.
DIN A4 (Seitenverhältnis 4:3) hat ca. 30 x 21 cm); DIN A3 kommt auf ca. 42 x 30 cm – wir bewegen uns mit den 12 MP der Sony A7s also ziemlich genau in der Mitte von DIN A4 und DIN A3, wenn eben 300 DPI verwendet werden.
Möchte man größer drucken, muß man die DPI – oder PPI verringern (Pixel Per Inch). Die Auflösung bleibt dabei gleich, es sind nach wie vor 12 Megapixel.

Ich kann in diesem Zusammenhang ein Video von kranzkreativ aka Andreas Kranz empfehlen, der sehr anschaulich darlegt, was man wie groß drucken kann und wie man dabei vorgeht; er hat dies mit einer 24MP-Datei gemacht:

Ferner kann ich die Webseite http://www.din-formate.de empfehlen mit einem entsprechenden Artikel und einer sehr aufwendig erstellten Liste zu Druckformaten und Auflösungen.

Gemäß dieser Liste wurde mein Bild höchstwahrscheinlich mit etwa 120 DPI gedruckt. O je, so wenig??!! 😉
Das reicht locker!!

Mein Poster hängt über mir, respektive über meinem Schreibtisch. Es sieht hammergeil aus. Ich kann alle Details erkennen, die Farben sind satt und strahlend, alles ist wie ich es auch am Bildschirm sehe.

Und jetzt kommt der Knackpunkt: aus welcher Entfernung?
Nun, der Betrachtungsabstand beträgt ca. 1 Meter. Wenn ich direkt vor dem Tisch stehe auch mal 50 cm. Selbst bei 30 cm sieht alles noch extrem gut aus; erst wenn ich ganz nah rangehe und bestimmte Bereiche betrachte und ausleuchte, dann kann ich erkennen, daß in den schärfsten Bereichen ggf leichte Unschärfen vorhanden sind – das ganze ist aber sehr sehr gut gemacht.
Und wer bitte schaut sich auf diese Art Bilder an…?! Niemand. Jedenfalls keiner, der noch einigermaßen bei Sinnen ist.

Also, um die Gretchenfrage wieder aufzuwerfen: Genügen 12 Megapixel für einen großformatigen Druck? Absolut!!

In meinen kleinen Räumen (eine 2ZKB-Wohnung, wobei dieser Raum, in dem das Bild hängt vll 12 qm hat) wirkt ein solches Bild geradezu monströs und wird ggf das einzige in dieser Größe bleiben. Die anderen Drucktests mit A2 haben bereits gezeigt, daß das völlig problemlos möglich ist.

Ich wollte vor allem auch für mich selbst eine Rechtfertigung haben, mir keine Sony A7r II kaufen zu müssen. Hätte ich jedoch beinahe trotzdem getan, was völlig überdimensioniert gewesen wäre.
Ich habe mich schon auf meine zweite Sony A7s gefreut, habe mich am Ende aber doch noch einmal umentschieden und mir heute eine A7 II bestellt (ohne „r“).
Warum jetzt das?! Ganz einfach:
Mit der A7s bin ich in meinem natürlichen Lebensraum (Low Light-Photographie) sehr glücklich. Eine A7s kostet aber immer noch knapp 2.000 Euro. Eine A7 II „nur“ ca. 1.500 Euro. Die gesparte Kohle habe ich anderweitig investiert und bin damit sehr zufrieden – zudem bietet der Bildstabilisator meinem alten Minolta AF 80-200mm f/2.8 APO G HS nochmals einen zusätzlichen Benefit. Ich weiß schon von meiner A99, daß die Bildbearbeitung wieder deutlich länger dauern wird, denn unkomprimiert wiegen die RAWs der A7 II gut 40 MB. Eine A7s II hätte deutlich über 3.000 Euro gekostet – no way. Das ist sie mir nicht wert, nur weil die einen Internen IBIS hat und 4K kann, was mich ohnehin nicht interessiert.

Hätte ich gerne eine A7r II? Ja klar, wer hätte die nicht gerne… aber die Datengrößen von 80+ MB pro RAW, die immense Dauer der Bildbearbeitung auf meinem etwas altersschwachen Rechner und die Anschaffungskosten ansich, lassen mich am Ende doch eine Vernunftentscheidung treffen.
Und ob nun A7s, A7 II oder sonstwas ist ein echtes Luxusproblem.

Es bestätigt mich in dem, was ich bereits vorher schon einige Male geschrieben habe: 36 Megapixel und mehr nutzen vor allem denen, die auf das croppen angewiesen sind und die, aus welche Gründen auch immer, wirklich groß drucken müssen, ohne Details zu verlieren. Wobei dann der Betrachtungsabstand aber dafür sorgt, daß man keinen Unterschied mehr erkennen sollte, ob das Bild mit einer 12, einer 24 oder einer 42 MP-Kamera gemacht geworden ist – je nachdem… es kommt immer drauf an. Aber für die normalen Drucke, für Photo-Bücher etc pp ist das Megapixel-Rennen schlicht und ergreifen sinnlos, für eine Veröffentlichung im Web erst recht (Stichwort: 72 DPI). 24 Megapixel sind mehr als genug. Aber solange die Hersteller sich immer wieder überbieten (ggf statt an der Bildqualität zu arbeiten), solange werden Photo-Nerds wie ich auch einer bin immer wieder drauf anspringen, obwohl sie es besser wissen sollten.

Aber die Zukunft hat nunmal begonnen. Es kommen neue Linsen, die diese Auflösungen darstellen können und neue Kameras, die immer höher auflösen; rein rechnerisch werden wir die 80 und vll 100 Megapixel am Vollformat in relativ naher Zukunft vielleicht sogar noch erleben, bevor die Physik dem Ingenieur die natürlich Grenzen aufweisen wird. Und bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter… und werden immer wieder neue Produkte auf den Markt kommen, die man vorerst einmal nicht braucht – aber natürlich haben will. Mal sehen… ich hoffe, ich komme mit beiden A7-Kameras jetzt erst einmal eine Weile aus 😉

Drucktest – Whitewall vs. myposter.de – Stufe 1: Die Lieferung

In der ersten Stufe des Tests geht es um Verpackung und Lieferung. Die Versandkosten waren bei beiden mit ca. 10 Euro identisch.

Whitewall hat heute geliefert. myposter.de nicht. Ich habe beide in der Nacht vom 29.03.2016 auf den 30.03.2016 bestellt. Von myposter.de habe ich eben eine Versandbestätigung bekommen. Interessantes Details am Rande: bereits letzte Woche habe ich mein Großformatposter bei myposter.de bestellt… das ist immer noch nicht da.

Das AluDibond-Bild von Whiutewall kam sicher verpackt mit viel Papier und Folie; auf der Rückseite ist sogar ein Qualitätszertifikat angebracht und die Alu-Schienen für die Wandhängung sind vormontiert. Sehr vorbildlich.

Die Qualität ist super.
Zur Erinnerung: es ging um einen ca. A2-Druck aus einer 12 Megapixel-Datei der Sony A7s. Geschossen wurde das Bild mit dem alten manuellen Minolta MD ROKKOR 45mm f/2 im November des vergangen Jahres (der erste Schnee im Odenwald).

Winternadeln

Dieses Dibond ist eine feine Sache und die Alu-Oberfläche macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Farben kommen schön raus und es sind alle möglichen Details zu erkennen; wobei mir hier natürlich der Vergleich zu einem höher aufgelösten Ausdruck fehlt (von gleichen Motiv).

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Es steht derzeit also 1:0 für Whitewall für die Lieferzeit.

Sony A99V: ein Erfahrungsbericht

Vorgeschichte:
Als Kind bekam ich von meinem Vater eine Kamera geschenkt. Ich war etwa 10 oder 11 Jahre alt und kam in den Genuß einer heute als Legende geltenden Kamera: Minolta X-700 MPS. Bis heute die am längsten produzierte SLR von Minolta. Sie wurde ab 1981 produziert und war die letzte manuelle Spiegelreflexkamera, bevor die Minolta 7000 als erste Autofokuskamera des Herstellers das Licht der Welt erblickte (1985).
Die Liebe war entfacht, aber kurzlebig.

Erst 2005 bin ich zur Photographie zurückgekehrt, als für einen Festivalbesuch eine Kamera her mußte. Das war die Canon Digital IXUS 30 mit sattem 3MP-1″-Sensor. Für mich eine Revolution. Der Sucher war besch…eiden, aber aufgrund des Monitors auch überflüssig. Das ist bei der A99 übrigens genau anders herum.

Dieses Modell hat mich über zwei Jahre beinahe jeden Tag begleitet. 
2007 dann bin ich ins (D)SLR-Lager zurückgekehrt mit einer Canon EOS 400D (10 Megapixel). Dazu gab es das 18-55mm Kitobjektiv und später ein Tamron 27-300mm ohne VC.
Diese Kamera habe ich 2013 kaputt gemacht. Es folgte als Zwischenlösung eine Canon SX50 HS Superzoom, bei der ich schnell merkte, daß mir deren Möglichkeiten deutlich zu limitiert waren. Max. 15 sek. Belichtungszeit, ein sehr kleiner 1″-Sensor und ein lichtschwaches Objektiv… das konnte nur eine Zwischenlösung sein auf dem Weg zur neuen DSLR.

Und die kam langsam… Es hat lange gedauert, bis ich die für mich sinnvollste Kombination entdeckt hatte. Mehrfach war ich kurz davor, zu Nikon zu wechseln, bei Canon zu bleiben… D600, 70D, D800, 6D oder doch was ganz anderes…? Und am Ende wurde es die Sony A99V.
Die Kamera bot mir das, was ich zu diesem Zeitpunkt am ehesten wollte: cooles Design, ein wegen Minolta riesiger Park an gebrauchten Objektiven, hervorragende Funktionalität und einen Vollvormatsensor.

Der Erfahrungsbericht:
Vorab: das wird kein professioneller Test mit irgendwelchen Charts oder dergleichen.

Die A99V ist ein kleines Meisterwerk mit Abzügen in der B-Note. Man geht immer irgendeinen Kompromiß ein… 
Regelrecht aus den Socken gehauen hat mich der elektronische Sucher.  Ich habe in der Tat optisch keinen Unterschied bemerkt und wenn ünerhaupt, dann fast nur Vorteile. Der für mich einzige Nachteil ist, daß man nur bei eingeschalteter Kamera was sieht. Ansonsten aber ist er ein echter WYSIWYG-Sucher, der auch sämtliche Details und Menüs des Bildschirms auf der Rückseite anzeigen kann und darüber hinaus eben immer das Bild vor der Aufnahme so anzeigen kann, wie es letztlich auch aussieht, wenn man abdrückt.
Der Sucher ist extrem hoch aufgelöst, hell und bietet eine 0,71-fache Vergrößerung und 100% Abdeckung.

Der Sucher dreht vor allem wegen Sonys eigener SLT genannten Spiegeltechnik auf. Sonys Spiegel ist kein Klapp- sondern ein fest installierter, lichtteildurchlässiger Spiegel.
Dadurch gelangt immer Licht in den Sucher und gleichzeitig auf den Sensor, sodaß die Kamera permanent im Live-View arbeitet. Letzteres hat einen erheblich höheren Stromverbrauch zur Folge, den man beim Kauf in Betracht ziehen muß. Ein zweiter Akku ist eig ohnehin fast immer Pflicht, hier aber tatsächlich unentbehrlich.

Im Zusammenspiel mit dem Spiegel arbeiten bestimmte Objektive mit dem neuen Phasen-Autofkus. Und das ist ein Vor- und gleichermaßen ein Nachteil. Denn dieser AF ist, wenn überhaupt, nur für Sony-Linsen (nicht Minolta), nicht für absolut alle und als letztes für Zeiss-Objektive verfügbar.
Gläser von Drittherstellern werden nicht unterstützt. Das hat zur Folge, daß man, wie ich, z.B. beim Tamron SP 24-70mm Di USD nur die paar, leider nur sehr zentrierten Felder des Kontrast-AF verwenden kann. Und der sitzt nicht immer sofort.

Davon abgesehen hat mich das Rauschverhalten der Kamera mehr als überzeugt. Bis ISO 6400 sind die Bilder – je nach Anwendungsbereich – nahezu uneingeschränkt nutzbar.
Wer jetzt unkt, dies sei eine Paradediesziplin von Nikon, dem sei gesagt, daß Nikon seine Sensoren bei Sony einkauft.

Ich selbst nutze derzeit erst zwei Objektive: das besagte Tamron 24-70mm, das dem Zeiss 24-70mm beträchtlich nahe kommt, sowie das alte kleine Minolta „Ofenrohr“ AF 70-210mm f4, das seinen Dienst tadellos verrichtet. Jedenfalls von der mechanischen Seite her, die optische ist sehr durchwachsen, aber dafür kann die Kamera nichts.

APS-C-Objektive lassen sich auch nutzen, wobei dann aber nur ein entsprechender Ausschnitt des Kleinbildsensors genutzt werden kann.

Von der Haptik her ist die Kamera einfach klasse. Sicher: ein großer Brummer, aber gerade das mochte ich. Ich kann mir zwar vorstellen, auch mit einer kleineren, leichteren A7 zu arbeiten, aber letztlich eher als Zweitbody.

In die A99 passen zwei Speicherkarten entweder im SD-Format oder auch Sonys eigene MemorySticks Pro Duo.

Einen eingebauten Blitz gibt es nicht, damit will Sony den (semi-) professionellen Charakter der Kamera unterstreichen. Nun, das kann man sehen, wie man will.

Übrigens besitzt die A99V einen Standardblitzschuh.

Die Menüführung ist simpel und intelligent, sowie beinahe komplett selbsterklärend. Alles andere erledigt das wirklich sehr gute Handbuch.

Auf der Rück- und Oberseite befinden sich zahlreiche Knöpfe für funktionelle Direkzugriffe. Sehr praktisch – vor allem der Joystick. Dieser ist mir deutlich lieber als irgendwelche Wahlräder.

Über Videofunktionen kann ich leider keine Auskunft erteilen, da ich nicht filme. Ich weiß aber, daß sich neben Mikrofonen etc zahlreiches professionelles Equipment anschließend läßt, um mit diesem Sahnestück an Technik hochwetige Spots und Filme drehen zu können.

Hat man sich mit der Lage der einzelnen Tasten einmal vertraut gemacht, läßt sich die Kamera fast blind bedienen. Vor allem, weil eben auch im Sucher sämtliche Einstellungen vorgenommen werden können.

Ich kann und will hier keinen 1.000-Seitentest mit allen technischen Gimmicks abliefern. Die ganzen Infos gibt es seit langem im Netz zum Nachlesen.
Die Funktionsvielfalt ist für einen Aufsteiger nahezu erschütternd groß, wenn man vorher mit kleinen, alten Kameras gearbeitet hat. Aber irgendwann will man das nicht mehr missen.
Motivprogramme gibt es haufenweise, die aber idR nicht im RAW-Modus zur Verfügung stehen.

Fokuspeeking, Einstellen der Focusrange, einen lautlosen Klick- und Drehknopf an der Vorderseite, sämtliche Tasten frei belegbar, eingebautes GPS-Modul, im Kamerabody integrierter Bildstabilisator, komplett klapp- und drehbares Display, elektronische Fokusweitenbegrenzung… die A99V ist ein Traum.

Was ich liebe ist, daß man den AF trotz der sehr engen Fokusfelder sehr gut nutzen kann. So ist es möglich, einen Punkt anzuvisieren, zu fokussieren und diesen Fokus dann zu halten, um anschließend ggf das Framing etc anzupassen, ohne, daß der Fokus verloren geht.

Nicht gefallen tut mir, daß der BULB-Modus nur mit Fernbedienung funktioniert und man während der Aufnahme die Aufnahmedauer nicht angezeigt bekommt.

Ein epischer Fehler ist Sony bei der Firmwareaktualisierung unterlaufen. Es gibt das Update zwar für den Mac, das Programm läuft aber nur im 32bit-Modus. Wer also aktuelle Mac OS-Versionen nutzt, muß mühselig den Rechner im 32bit-Modus neu starten oder, wie es der Sony-Support auf meine Nachfrage formuliert hat: sich einen Windowsrechner suchen…

Ansonsten braucht die Kamera subjektiv recht lange, bis sie betriebsbereit ist.

Es ist, wie immer im Leben, nicht alles Gold was glänzt. Nach den Abzügen in der B-Note bleibt aber noch immer eine ganz hervorragende Kamera, die so ziemlich jeden Enthusiasten, VF-Aufsteiger und (Semi-) Profi glücklich machen sollte.

Abschließend sei noch vermerkt, daß vermutlich zum September auf der Photokina die neue A99V Mark II vorgestellt werden wird.

Nachtrag zum Ofenrohr: Minolta AF 70-210mm f4

Gestern hatte ich Gelegenheit, mein kleines Ofenrohr in seiner sozusagen natürlichen Umgebung zu testen.
Auf einer Geburtstagsfeier in einem schattigen Garten. Die Sonne war hell und die Feier fand unter einem großen Nußbaum statt.

Hatte ich vorher in durchaus vergleichbaren Situationen heftige Probleme mit der Bildqualität, kamen dieses Mal eine ganze Reihe knackscharfer Photos heraus mit null oder minimalen chromatischen Aberrationen, trotz teilweise starker Kontraste.

Das Objektiv kommt mir vor wie der optische Jackyll & Hyde der Photographie.

Einmal sind Bilder zum Fürchten, einmal ein wahrer Augenschmaus. Für die gezahlten 130 Euro ist das mE noch immer zu wenig, aber ich bin besänftigt. Mal sehen, ob sich irgendwann die optimalen Paramater zur Nutzung herauskristallisieren. Aber das gestern war schon nah an der Perfektion.

Empfehlen kann ich das Glas dennoch nur sehr bedingt. Wer aufgrund von Budgetgrenzen den wichtigen Brennweitenbereich von 70 bis 200mm abdecken muß, kann hier eine brauchbare Übergangslösung finden. Irgendwann aber geht an einem Sigma oder Tamron (f2,8) kein Weg mehr vorbei. Die herstellereigenen Linsen müssen es nicht unbedingt sein.

Als Alternativen zum Ofenrohr gibt es z.B.:
Sigma 70-200mm F2.8 EX DG OS HSM
Tamron SP 70-200mm F2.8 Di USD VC
Tamron SP 70-300mm F4-5.6 Di USD VC
Sony SAL 70-200mm G F2.8 SSM
Sony SAL 70-400mm G II F4-5.6 SSM
Sony 70-300mm F4,5-5,6 SSM G
Canon EF 70-200mm L IS
Nikon AF-S Nikkor 70-200mm F2.8 G ED VR II